Montag, 18. Januar 2016

Montagsblog Nr. 3

Die letzte Woche war geprägt von Reisevorbereitungen. Wir haben Mitbringsel gekauft und Pullover und Socken für Arthur. In Indonesien kommt man locker mit zwei, drei Paar Socken aus, wenn man nicht gerade in einem Büro arbeitet und jeden Tag Schuhe tragen muss. Ich trage genau dreimal im Monat für länger als eine Stunde Strümpfe, nämlich wenn ich im Immigration Office mein Visum verlängere. Dort darf man nämlich nicht in Sandalen ankommen, auch wenn ich das auch schonmal gemacht habe.

Heute hat es den ganzen Vormittag geregnet, jetzt rumpelt nur noch ferner Donner. Wie soll denn da meine Wäsche trocknen? Vorhin habe ich noch fix meine Wollsocken gewaschen (mit Shampoo!), damit ich nächste Woche in Berlin gleich warme Füßchen habe. Nächste Woche!!! Ganz viel schreiben muss ich auch noch und alle Aufträge wegarbeiten, damit ich in Deutschland so richtig entspannen kann. Der Laptop kommt zwar mit, aber nur für Notfälle und meinen Visa-Antrag. Im Februar fahren wir eine Woche aufs Dorf und die Zeit will ich nutzen, um weder Rechner noch Smartphone anzugucken. Dafür will ich lesen, stricken und spazieren gehen! Pause vom Internet!

Ich freue mich also auf die Heimat, das ist ja nun wirklich rübergekommen, aber die Miezen werde ich ganz furchtbar vermissen. Die dicke Nina pennt grade unterm Schreibtisch. Manchmal beißt sie schläfrig in meine Zehen <3 Und Manfred hat mittlerweile alle langsamen Kakerlaken im Haus ausgerottet und schleppt jetzt nur noch solche an, die in Wahnsinnsgeschwindigkeit auf meine armen nackten Füße zu rasen. Immerhin quieke ich beim Weghüpfen nicht mehr und schwinge gnadenlos den kakerlakenmordenden Besen.

Unsere Nachbarn wollten uns anscheinend letztens etwas Gutes tun und haben das gesamte Gras und Gebüsch rings um unser Grundstück abgehackt. Dabei haben sie leider auch meine Passionsblume abgesäbelt und die war im Topf! Irgendwie haben die Leute hier eh Vorurteile gegenüber meiner schönen Markisa, das war jetzt schon die zweite Pflanze, die dran glauben musste. Vielleicht treibt der Stumpf ja wieder aus, aber traurig bin ich trotzdem. Was wir unbedingt noch abschneiden müssen, ist der Prinzessinnenwein, sonst sieht unser Haus aus wie ein Dornröschenschloss, wenn wir in einem Monat wieder nach Hause kommen. Haha, da würde der Name aber passen! Und die Fruchthülse meiner Wüstenrose wird wohl nicht mehr reif bis nächste Woche. Damit mir nicht alle Sämigen wegfliegen (die haben nämlich Flügel für die Windverbreitung), habe ich einen tollen Trick im Internet gefunden: Einfach die gesamte Schote mit Garn oder Draht umwickeln, dann kann sie auch nicht aufplatzen.

Zur Zeit bin ich so einfallslos, was das Essen angeht. Zum Frühstück gibt es entweder Oatmeal oder Soto. Wenigstens haben wir zwei verschiedene Soto-Plätze damit es nicht komplett langweilig wird und Soto Lenthok mit kleinen Kassava-Klopsen drin war eines der kulinarischen Highlights der letzten Wochen. Eigentlich ist ja Soto gar nicht so super vegetarisch, wegen der Hühnerbrühe, aber ich sehe das nicht so eng. Und irgendwas will ich ja auch essen. Mittags holen wir manchmal ein Lotek (Grünzeug, Tomaten, im Palmenblatt gedämpfter Reis, Tempe und Tofu mit viel leckerer Erdnusssoße vermanscht) oder ich mache ein frühes Abendbrot. Wenn ich selber koche, gibt es Gemüse mit Ei aus dem Wok. Weil es jedem Tag anderes Gemüse in dem kleinen Laden um die Ecke gibt, wird das nicht so schnell langweilig. Das Knoblauchproblem haben wir auch gelöst: Arthur hat ungefähr vier fette Knoblauchknollen kleingehackt und in einem Glas in Öl eingelegt. Jetzt kann meine Haut endlich heilen und ich kann trotzdem lecker Knoblauch essen!

Nur noch acht Tage.



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