Mittwoch, 2. September 2015

Gärtnern in den Tropen

Treue Leser wissen, dass ich den kleinen Dreckstreifen hinter und neben unserem Haus in eine Art Garten zu verwandeln versuche. Boden ist leider wenig existent und besteht vor allem aus Steinen, Plastikmüll, ein bisschen Unkraut und Hühnerkacke. Also nichts mit üppiger Botanik, gerade in der Trockenzeit nicht. 

Mein Garten sieht noch immer nicht so aus, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Das liegt vor allem an fehlender Zeit und fehlendem Geld. Gern würde ich einen Zaun um unser Grundstück bauen (lassen), damit nicht nur die Hühner fernbleiben, sondern auch unsere geschwätzige Nachbarin, die uns immer die Orangen vom Baum klaut. Seit ich hier bin, hab ich noch nicht eine pflücken können, sie war immer schneller! Ob sie allerdings auch meinen fehlenden Schlüpfer von der Leine gestohlen hat, ist eher fraglich. Reinpassen würde sie jedenfalls nicht :)

Wir haben also noch keinen Zaun und die Hühner gehen weiterhin ein und aus. Sie kommen nicht mehr ganz so nah und sie haben schon lange keine Töpfe mehr umgeworfen, hoffentlich bleibt das auch so. Dank der beiden Topfregale, die Arthur mir gebaut hat, befinden sich ja auch die empfindlicheren Pflanzen außer Reichweite der gefiederten Biester. Allerdings gibt es hier eine Menge anderer Plagegeister in Massen. Vor allem Insekten: fette Wanzen, unfreundliche Marienkäfer, diverse Schild- und Wollläuse, Weiße Fliege, Blattschneidewespen, die Liste ist endlos. Meiner Meinung nach liegt das daran, dass es kaum noch freie Vögel hier gibt. Man hört es zwar dauernd munter zwitschern, aber die Vögelchen sitzen alle schön in winzigen Käfigen, die vor fast jedem Haus hängen. Das gehört hier zum guten Ton. Ich finde es Tierquälerei, aber was willste machen. Ist halt so. Akzeptieren und nicht drüber urteilen. Es gibt sogar Vogelsingwettbewerbe und ich sehe jeden Tag mindestens einen Motorradfahrer, der einen Vogelkäfig transportiert. Jedenfalls stammen die meisten Vögel aus Wildfang und man sieht fast nie frei fliegende Flattermänner. Mal eine Art Kranich im Reisfeld oder Tauben (das ist noch mal ein ganz eigenes Thema!) oder Spatzen in der Innenstadt. Aber das war's auch schon. Ich sehe mehr Ratten als Vögel und die essen sicher nicht die lästigen Krabbelviecher weg.

Aber gut, wo war ich? Ach ja, der Garten.
Meine Auberginen sehen leider traurig aus, die wurden von einer Horde Wanzenkinder leergesaugt. Ich mag die dann auch nicht so gerne totmachen, meistens müssen nur die Eier dran glauben. Auch die Erdbeeren haben es nicht geschafft, es ist wohl doch zu heiß hier. Selbst die als so anspruchslose und sonnenscheinliebende angepriesene Kapuzinerkresse gedeiht hier eher mäßig. Mir sind schon so einige Pflanzen eingegangen, nur eine scheint bisher durchzuhalten. Der Basilikum wurde dafür letztens umgetopft und sieht prächtig aus. Ich habe schon eine Menge Saatgut geerntet, obwohl ich die Blütenstände meistens abschneide, bevor sie ganz aufblühen können. Und nachdem ich Dünger gekauft und fachgerecht ausgebracht habe, geht es auch bei der Passionsblume und der Frangipani ab, die ich von Arthurs Mama bekommen habe.

Außerdem pflanze ich immer noch fast jeden Obstkern ein, den ich kriegen kann. Außer Papaya. Zur Zeit warte ich auf noch mehr Maracuja, Mango und Jambu Air (Wasserapfel). 

Ich habe aber noch viele Pläne. Wir haben viele Betonsteine herumliegen, mit denen ich gern eine Art Beet einfassen möchte. Darin sollen dann Paprika gedeihen. Die neuen Maracujas sollen irgendwann einmal das Vordach berankeln. Der Orangenbaum muss dringend geschnitten werden und ich will vor dem Haus noch mehr Töpfe aufstellen. Dazu habe ich Stecklinge von besagter Frangipani gemacht, denn die blüht wenigstens hübsch. 

Nunja, das reicht erstmal. Tropische Gärten sehen toll aus, sind aber mit einer Menge Arbeit verbunden, genauso wie überall auch. In Deutschland weiß ich wenigstens, welches Viehzeug meine Pflanzen befallen hat, aber hier ist das alles neu für mich und ich lerne gern dazu. 

Voll öko: Selbst leergetrunkene Kokosnuss als Topf für Frangipani-Steckling.

Manfred kann jetzt auf den Kühlschrank klettern. 

Die Mangozeit hat begonnen! Yay! 

Alles weggeputzt. Der Kern schlummert nun schon in der Erde.

Frangipaniblüte. Nur Samen gab es noch nie.

Wanzenkinder saugen meine Aubergine aus!

Die Aloe vera hat nicht nur ein Baby bekommen, sondern sich auch noch geteilt. 
Manfred und Nina in einer ruhigen Minute. Mit im Bild: einer meiner Stifte, den Nina geklaut hat.


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