Mittwoch, 19. August 2015

Singapur.

Vor zwei Wochen war es soweit: Mein Besuchervisum endete unverlängerbar und ich musste das Land verlassen. Lustigerweise hatte mir bei meiner letzten Visumsverlängerung im Immigration Office keiner etwas davon gesagt. Aber ich wollte es nicht drauf ankommen lassen und so flogen wir für ein paar Tage nach Singapur. Gleichzeitig war es auch unser erster Pärchenurlaub der nicht in einen Familienbesuch endete. 
Im Nachhinein würde ich sagen, dass unsere Planung nicht die allerbeste war. Wir waren mit einem sehr knappen Budget unterwegs und darum war die Flugbuchung extrem vom Preis abhängig. Wichtig war auch, dass wir am Tag der Ankunft auch in die Botschaft konnten, um das Visum zu beantragen – die Botschaft musste also noch geöffnet haben. Letztendlich kamen wir dann schon kurz nach Mitternacht in Singapur an und vertrieben uns bis morgens um sieben die Zeit am Flughafen. Das war wirklich nicht schön. Der Flughafen in Singapur ist zwar einer der allertollsten überhaupt, es gibt saubere Klos, man kann einigermaßen schlafen und es gibt kostenloses Trinkwasser (auch in heiß, für Kaffee!), aber es ist vor allem eins: kalt. Ich habe so gefroren wie seit einem halben Jahr nicht mehr und das trotz heißem Instantkaffee und drei Schichten Klamotten. Wir sind ab und zu nach draußen gegangen, um uns aufzuwärmen. Das ganze bestätigte nur wieder meine Klimaanlagentheorie: Je besser die Klimaanlage und desto mehr Geld vorhanden, umso kälter ist es. 
Am frühen Morgen schlugen wir uns dann zur indonesischen Botschaft durch, die ungefähr am anderen Ende der Stadt liegt. Auch da waren wir nicht gut vorbereitet und mit dem Bussystem ein bisschen überfordert, obwohl es eigentlich ganz einfach ist. Zu allem Überfluss regnete es auch noch und ich hatte ein bisschen Sorge, dass wir für einen Botschaftsbesuch nicht mehr schick genug aussehen. Taten wir auch nicht, aber man hat uns trotzdem reingelassen und der ganze Beantragungsprozess mit Bezahlen dauerte etwa sieben Minuten. Davon können die sich hier im Immigration Office eine meterdicke Scheibe abschneiden! Danach aßen wir überteuertes, unleckeres Essen in der Botschaftskantine und machten uns anschließend auf den Weg in unser Hotel, wiederum am anderen Ende der Stadt. Wir wohnten im Stadtteil Geylang, das ist zwar auch das Rotlichtviertel, doch es ist sicher und man merkt davon nicht viel. Außerdem gibt es massenweise leckeres und billiges Essen und das ist in einer Stadt wie Singapur schon viel wert. Das Hotelzimmer war winzig klein, aber einigermaßen sauber, es gab einen Wasserkocher, einen Fernseher und warmes Wasser! Nach einer heißen Dusche und einem Nickerchen sah die Welt gleich viel besser aus. Abends speisten wir in einem Foodcourt in Little India. Solche Foodcourts gibt es auch hier in Indonesien, meistens in Malls oder in der Nähe von Bürogebäuden (mein Favorit liegt gleich hinter Kentucky Fried Chicken). Es gibt lauter kleine Essensstände, es ist voll, laut und billig und man kriegt richtig tolles Essen. Der indische Stand an dem wir aßen, war der Hammer. Ich war glücklich, endlich mal wieder mein Essen allein bestellen zu können und dann auch genau das zu kriegen, was ich wollte. Hier gibt es so oft Probleme, ich bestelle "ohne Fleisch" und kriege "mit Würstchen". Ist ja kein Fleisch. In Singapur war man aber wesentlich besser auf Vegetarier eingestellt und so hatte saß ich bald vor einem leckeren Curry mit Frischkäse und einem frischen Mangolassi. Das Essen war so gut dort, dass wir direkt am nächsten Abend gleich noch einmal dorthin gefahren sind. 
Mein Visum konnten wir nach zwei Tagen abholen, das ging alles problemlos über die Bühne. Während der freien Zeit haben wir die üblichen Sehenswürdigkeiten abgeklappert, lecker gegessen, das Busfahren genossen und singapuranisches Fernsehen geguckt, in dem pausenlos von den bevorstehenden Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag berichtet wurde. 
Auch die Rückreise war nicht so wunderbar. Wir kamen Freitag Abend in Jakarta an, suchten uns ein billiges Hotel in Flughafennähe und dann organisierte Arthur unsere Weiterfahrt nach Jogja per Travel. So nennt man hier Minibusse oder auch normale Autos, die Menschen hin- und her transportieren. Sie sind komfortabler als Busse, dafür aber ein kleines bisschen teuerer. Wir erwischten auch ein gutes Angebot, allerdings erst für Samstag 18 Uhr. Und so verbrachten wir den Samstag vormittag in der Lobby des Hotels. Leider schien mich auch ein böser Virus befallen zu haben (ich tippe auf Dengue), so dass ich nach einer Weile fröhlich vor mich hin fieberte. Dementsprechend unschön war auch die Heimreise: Zugedröhnt mit irgendwelchen ominösen Grippetabletten dämmerte ich vor mich hin, immer zwischen viel zu kalt und viel zu heiß, halb träumend von meinem Hörbuch, während der Fahrer über die holprigen Straßen raste. Wir kamen erst nach über 12 Stunden Fahrt in Jogja an und mussten dann noch mit dem Motorrad vom Flughafen nach Hause. Dort ging ich gleich ins Bett und blieb dort für die nächsten fünf Tage. Auch wenn ich nicht beim Arzt war bin ich mittlerweile recht sicher, dass ich Denguefieber hatte. Dagegen kann man leider nicht viel mehr machen als ausreichend zu trinken, abzuwarten und Mückenspray zu benutzen, damit man nicht noch mehr Leute ansteckt.
Nun geht es mir aber wieder gut. Arthur hat uns Fahrräder gekauft und heute sind wir morgens ein bisschen herumgetuckert. Dabei ist dann gleich meine Kette gerissen :) Auch die Katzen sind glücklich, Manfred ist heute ganz besonders verschmust und hat sogar für eine Weile auf meinen Beinen geschlafen – im Schneidersitz ist das wenig angenehm, aber trotzdem niedlich. Und jetzt kommt gleich Arthur nach Hause und bringt mir frittiertes Essen vom Pecel Lele mit. 
Demnächst gibt es wieder mehr hier zu lesen, ich habe viele Ideen. Lest also bald davon, wie ich in den Tropen Schlittschuh lief, wie ich morgens von einem Erdbeben geweckt wurde und wie es im Garten voran geht.
Bis bald!

Morgens an der Bushaltestelle.

Wolkenkratzer, ein ungewohnter Anblick. Hier in Jogja sind die meisten Häuser nicht sehr hoch.

Seerosenbecken unterm Wissenschaftsmuseum.

Blick auf die Gardens by the Bay.

Blumen vor Beton.

Die "Supertrees", futuristische Gebilde, die mit Bromelien und anderen Gewächsen begrünt sind.

Auf den ersten Blick sieht es vielleicht nicht so lecker aus, aber es war fantastisch: Indisches Curry vom Plasteteller.

Press for Green Man!

Und die besten Mie goreng (Bratnudeln), die ich je aß.


Kommentare:

  1. Verrückt, stef! Hast du Fotos? Das mit Dengue ist ja heftig.. :(

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    1. Jetzt gibt es auch Fotos!
      Naja, wer weiß ob es denn wirklich Dengue war oder irgendein anderer blöder Virus. Hauptsache wieder gesund :)

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