Freitag, 28. August 2015

#bloggerfuerfluechtlinge

Ich komme aus Deutschland. Ich habe eine weiße Haut, hatte eine glückliche und behütete Kindheit und Jugend und musste niemals erfahren was es heißt, Rassismus zu erfahren. Ich habe keinen Krieg erleben müssen, bin nie geflohen, meine Familie ist in Sicherheit. Jeden Tag weiß ich am Morgen schon, wo ich abends schlafen werde, nämlich zu Hause, in meinem Bett. Es bestand nie die Gefahr, dass ich heimkomme und das Haus ist weggebombt oder die Familie entführt oder tot.

Ich habe einen Reisepass und kann damit in fast jedes Land der Welt reisen, einfach so. Manchmal muss ich ein Visum beantragen, doch das bekomme ich auch, da gibt es keine Probleme. Ich musste nie mein gesamtes Geld ausgeben, um dann in einem stickigen, engen LKW oder einem hoffnungslos überfüllten Schiff in eine ungewisse Zukunft zu reisen, während Menschen neben mir sterben.

Ich lebe in einem fremden Land, in dem mir die Menschen mit Freundlichkeit begegnen und mich um Fotos bitten. In dem ich als reicher, weißer Tourist ein gewisses Ansehen habe, auch wenn ich das nicht möchte. Sollte es ein Problem geben kann ich mich jederzeit an die deutsche Botschaft wenden und mir wird geholfen.

Es geht mir verdammt gut. Ich habe nicht viel, aber das habe ich mir so ausgesucht.

Leider geht es nicht jedem so gut.

Während meiner Zeit in Deutschland wurden die unsäglichen Pegidioten aktiv. Auch in meiner Heimatstadt gibt es einen Ableger davon und auch ich bin zu Gegendemos gegangen. Schon damals voller Wut und dem dringenden Gefühl, etwas tun zu müssen. Irgendetwas. Und zu hoffen, dass es besser wird. 

Es wurde nicht besser. Was in Deutschland gerade abgeht macht mich wütend und traurig. Ich fühle mich so hilflos. Die Nachrichten von ertrunkenen, erstickten, auf Autobahnen ausgesetzten Flüchtlingen. Von brennenden Flüchtlingsheimen, Hass und Angst. Von Nazis, die auf kleine Kinder pissen. Beinah jeden Tag wenn ich die Nachrichten lese muss ich weinen oder doch zumindest kräftig schlucken. Was in den sozialen Netzwerken zu lesen ist, ist sogar noch schlimmer. Wenn Menschen andere Menschen als Gammelfleisch bezeichnen, sie umbringen wollen und dazu öffentlich aufrufen. Es ist unfassbar und ich habe keine Worte dafür.

Doch es gibt auch hoffnungsvolle Nachrichten.

Wenn ich facebook öffne, dann sehe ich News der großartigen Hooligans gegen Satzbau, die den Hassbotschaften der Nazis mit Humor begegnen wollen. Und ich lese Blogs und Berichte von Menschen die sich engagieren, die helfen, die wirkliche Willkommenskultur leben und die sich nicht einschüchtern lassen von der braunen Masse. Ich bin stolz auf die Menschen, die in Dresden, Freital, Heidenau und überall sonst, die Feste und Begegnungen und Deutschkurse organisieren. Das gibt mir Hoffnung. Es geht auch anders. 

Ich möchte gern etwas tun, aber so fern der Heimat geht das nicht. Ich kann nicht meine Zeit spenden oder überflüssige Dinge oder Wohnraum. Was ich geben kann ist Geld. Ich habe davon nicht viel, aber ein wenig kann ich teilen. Und das könnt auch ihr. Helft mit Geld, mit Worten, mit Taten und macht diese Welt ein klein wenig besser.



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