Dienstag, 7. Juli 2015

Kulon Progo, Literatur und Katzen im Tiefschlaf.

Na sowas, der Post lag jetzt schon ein paar Tage im Entwurfsordner. Mittlerweile ist schon Dienstag, ich war heute mal wieder mein Visum verlängern, dann haben wir echte Spaghetti mit echter Tomatensoße und echtem Käse gegessen und ansonsten war ich fleißig. Und nun der eigentliche Post:

Es ist Samstag Abend. Ich habe eben die tägliche Schreibarbeit sein gelassen, aus der Moschee tönt das allabendliche Ramadan-Gebet und neben mit liegt ein fluffiger und duftender (weil frisch gebadeter) Manfred und schläft. So eine Dusche ist nämlich nicht so leicht, wenn man ein kleiner Kater ist und leider mal wieder Flöhe hat. Wenn man hier zum Tierarzt geht (oder in einen Pet Shop, das kommt so ziemlich aufs gleiche raus) und nach einem Flohmittel fragt, dann kriegt man immer die gleiche Antwort: Die Katze muss gebadet werden. Wir haben schon Babyshampoo und Anti-Schuppen-Shampoo ausprobiert, die Miezen mit Apfelessig und frisch gepresstem Orangensaft eingerieben und die Flohpopulation beinah ausgerottet, aber dann kam immer der Punkt, wo auch wir manchmal gestochen wurden und auf Manfreds Bauch eine kleine Armee unterwegs war. Heute haben wir dann ein spezielles Anti-Floh-Shampoo ausprobiert, das sogar ganz ohne chemische Insektizide daherkommt. Es ist zwar ein wenig Teebaumöl drin, aber wenn man die Katze gut abspült, dann dürfte das okay sein. 
In den letzten Wochen haben wir einiges unternommen. Zuerst waren wir mit ein paar Freunden in Kulon Progo, das ist ein Bezirk im Westen Jogjas. Die Region ist touristisch noch nicht sehr erschlossen, das ist in vielen Punkten toll, aber hat auch Nachteile. Die Wege sind äußerst holprig und die meisten Hinweisschilder schienen gerade erst gemalt worden zu sein und standen noch vor einem Haus herum. Eigentlich sollten sie den Weg zu diversen Wasserfällen weisen. Kupon Progo liegt nämlich etwas höher, die Luft ist angenehm frisch und sauber. Mich freut ja der landwirtschaftliche Aspekt immer sehr und ich habe Kakaobäume und Vanille-Orchideen gesehen, wirklich schön. Der Boden dort ist auch noch wie im Lehrbuch klassisch regenwald-rot, das sieht man hier in der Stadt nicht. Jedenfalls muss man sich in Kulon Progo ein bisschen bewegen, wenn man einen Wasserfall sehen will und man läuft durch die Natur. Zugegeben, die Wege sind nicht die allertollsten und ich mag die wackligen Bambusbrücken, die über kleine Bächlein führen, nicht so sehr, aber es lohnt sich. Wir haben zwei verschiedene Wasserfälle besichtigt, in der "Arena ciblon" wurde geplantscht (denn ciblon bedeutet eben das), es gab selbst gemachte Sandwiches und sogar Gurkenstückchen in der Tupperdose - ein klassisches Picknick! 
Mehr Bewegung gab es gleich zwei Tage später, als wir im Norden bei Freunden zum Abendessen waren. Erst konnte ich mich nicht viel bewegen, weil zwei Babykatzen auf meinem Schoß in spontanen Tiefschlaf gefallen waren. Nach dem Essen haben wir Badminton gespielt. Viele Nachbarschaften haben nämlich ein Volleyball- oder Badmintonfeld, man darf sich das Netz ausleihen, bringt seine Schläger mit und darf bis Mitternacht spielen. Das war wirklich toll, ich habe seit Jahren höchstens mal Federball gespielt und es tat gut, sich ein bisschen auszupowern. Das machen wir bestimmt mal wieder!
Außerdem war ich mit Arthur an einer Höhle hier in der Nähe, in der sich während der Kolonialisierung ein javanischer Prinz versteckt hielt und von hier aus den Widerstand organisierte. Wir kamen eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang und waren die einzigen Besucher, alle anderen warteten bestimmt schon auf das Fastenbrechen am Abend. An solchen Orten gibt es immer große, alte Bäume (meistens Ficus), die eine besondere Macht ausstrahlen, das mag ich immer sehr. Wir sind ein wenig spazieren gegangen und haben Fotos gemacht. In die Höhle darf man nicht mehr rein, der Eingang wurde zugemauert und das ist auch besser so. Hier ist es nämlich oft mit Sicherheitsvorkehrungen nicht weit her.
Ansonsten habe ich viel geschrieben, war einmal Bier trinken und habe mich an meinen Erdbeerpflänzchen erfreut, die sogar schon zwei Laubblätter haben. Diesmal muss es einfach klappen! Einen abendlichen Schreck hat uns Nina beschert. Sie war eines Abends in die Dunkelheit abgehauen und dann in die Gosse gefallen. Hier werden nämlich die Abwässer aus Küche und Bad (aber nicht aus dem Klo, ein Glück!) in oberirdischen Kanälen dem nächsten Fluss zugeführt, ein tolles System! Jedenfalls sind die Abwässer auch ohne Klo nicht sehr lecker und die schwarz-weiße Nina war nur noch schwarz als wir sie rausgefischt haben. Sonst ist sie immer ein sehr lautstarkes Tierchen, aber an dem Abend saß sie stumm im Bad und hat gewartet, bis das Badewasser warm war. Auch das Waschen und Föhnen hat sie dann ohne einen Mucks mitgemacht. Jetzt passen wir doppelt auf! 

Eine Sache die ich hier sehr vermisse sind Bücher. Sicher, man kann bestimmt englischsprachige Bücher in schicken Buchhandlungen für viel Geld kaufen, aber dafür bin ich ein wenig zu geizig. In verschiedenen Second-Hand-Märkten gibt es gebrauchte Bücher auf Englisch oder sogar auf Deutsch. Letztes Jahr habe ich eine schreckliche Schnulze die sogar auf der Spiegel-Bestseller-Liste war gekauft, einfach nur um mal wieder etwas auf Deutsch zu lesen! Dann bin ich im Internet auf das "Project Gutenberg" gestoßen, das eine ganz tolle Sache ist. Auf der Website gibt es alle möglichen tollen Bücher vor allem auf Englisch, aber auch in anderen Sprachen, vor allem klassische Literatur. Und weil ich eh nicht weiß was man denn gerade so liest, habe ich mich dort mit eBooks eingedeckt, die ich dann auf meinem Telefon schmökere. Gelesen habe ich schon Die Verwandlung und Das Urteil von Kafka, Die Schatzinsel, Das Bildnis des Dorian Gray und zur Zeit lese ich "The Great Gatsby" und die Zauberer-von-Oz-Geschichten abwechselnd. Ein wirklich tolles und unterstützungswertes Projekt! Ein zweites tolles Project ist 750words.com, das ich seit ein paar Tagen ausprobiere. Das Prinzip ist ganz einfach: Jeden Tag schreibt man siebenhundertfünfzig Worte. Oder mehr. Egal über was, Hauptsache schreiben. Das ganze ist privat, man muss also nichts veröffentlichen wenn man das nicht will. Man kriegt hinterher lustige Statistiken über seine Texte und wenn man dran bleibt gibt es Vogel-Badges. Jetzt muss ich noch ein bisschen was machen, vorhin habe ich Zeit verschwendet, weil ich unbedingt ausprobieren wollte ob Manfred eigentlich Katzenvideos als solche erkennt. Ich habe ihm ein Video von Nina gezeigt, die wild den roten Punkt vom Laserpointer jagt und er ist gleich auf der Tastatur rumgehopst. Klappt also!
Endlich Natur!

Wasserfall Nr. 1

Wasserfall Nr. 2

Fallendes Wasser gucken.

Wasserfall Nr. 3

Aufstieg zur Höhle des versteckten Prinzen.

Gunung Merbabu (links) und Merapi im Sonnenuntergangslicht.

Erdbeerchen! Das oben links ist wahrscheinlich eine andere Pflanze,
und weil ich neugierig bin lasse ich sie wachsen.

Auberginenblüte.
Die Kapuzinerkresse hat inzwischen Gesellschaft von vielen kleinen Paprikas bekommen.
Bald ist aber großes Umtopfen angesagt, dann trennen sich ihre Wege.
Zum Abschluss noch Katzen im Tiefschlaf: Manfred...


…Nina (na gut, das war eher Sekundenschlaf!)...

… und zwei der vier Katzenbabys von Freunden. 

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