Mittwoch, 17. Juni 2015

Von Visaverlängerungen und anderen Späßen.

Wahnsinn wie die Zeit vergeht! Über vier Monate bin ich schon wieder zurück in Jogja und in knapp zwei Monaten steht mein erster Visarun nach Singapur an. Letztes Jahr war ja alles easy, ich hatte ein Stipendium und die Uni hat sich um den ganzen Visakram gekümmert. Doch dieses Mal ist alles ein bisschen anders. Ich bin mit dem Besuchervisum oder auch Sosial-Budaya-Visa hier. Das habe ich schon vor Abflug bei der Indonesischen Botschaft in Berlin beantragt und auch bekommen. Es gilt 60 Tage und dann kann man es noch vier Mal verlängern, so dass es insgesamt knapp ein halbes Jahr gültig ist. Das heißt, dass wir seit April drei Tage pro Monat morgens ins Kantor Immigrasi (Immigration Office, die Einwanderungsbehörde) fahren dürfen. Das liegt gleich am Flughafen und wir brauchen auch auf Arthurs schnellem Motorrad fast eine Dreiviertelstunde dorthin. Beim ersten Mal waren wir vollkommen unvorbereitet, hatten nicht alle Kopien dabei und waren komplett überfordert. Inzwischen hab ich aber den Dreh raus: Wir bereiten alle Unterlagen am Vorabend vor, dann muss man am nächsten Morgen nur früh genug da sein, um die hübsche pinke Mappe abzugeben. Wenn alles stimmt kriegt man einen Zettel und darf wieder gehen. Zwei Tage später kommt man zum Bezahlen der Visumsverlängerung und wieder einen Tag später darf man seinen Pass mit einem hübschen, neuen Stempel drin wieder abholen. Am Anfang habe ich mich noch gefühlt wie Asterix auf der Jagd nach Passierschein A38 oder wie in einem äußerst bürokratischen Escape Room, aber mittlerweile weiß ich ein bisschen wo's langgeht. Mal sehen wie es dann in Singapur wird, wenn ich ein neues Visum beantrage. Irgendwie freue ich mich auch schon auf ein paar Tage "westliches" Leben und besonders auf den botanischen Garten. 
Denn nach vier Monaten hier vermisse ich neben meiner Familie und meinen Freunden auch so einige Dinge aus Deutschland. Die Umweltverschmutzung ist hier so viel mehr präsent als in Deutschland und ich fühle mich so machtlos beim Anblick brennenden Plastikmülls und den schwarzen Abgasen aus so manchem Knalpot (indonesisch für "Auspuff"). Andererseits haben wir Europäer damit angefangen Plaste zu produzieren und Autos und Mopeds zu fahren, so ist es nun mal. Ein erhobener Zeigefinger bringt jetzt also überhaupt nichts. Ich lerne geduldig zu sein und meinen kleinen Teil zur Müllvermeidung beizutragen. Mir fehlen auch Möglichkeiten zum Spazieren gehen oder zum Joggen. Fußwege gibt es hier nicht und wenn sie doch existieren, dann fahren entweder die Mopeds drüber oder sie wurden als Parkplatz umfunktioniert oder aber kleine Shops und Ankringans haben sich dort niedergelassen. Ein Ankringan ist ein traditioneller Essensstand, der neben Snacks (frittierte Hühnerteile, Tempe, Tofu, Banane) auch immer heißen Ingwer, Tee und Kaffee verkauft. Es gibt sie aber auch an anderen Stellen, nicht nur auf Fußwegen! Man muss umdenken, also spazieren wir manchmal in der Mall (da ist es auch nicht so heiß) und bald ist ein Ausflug nach Kulon Progo in den Dschungel geplant. Und was das Laufen angeht, da werde ich wohl ein Fitnessstudio suchen müssen und bis dahin mache ich Yoga auf dem Wohnzimmerteppich. Manchmal vermisse ich auch so Sachen wie Vollkornbrot, denn Vollkornmehl gibt's hier auch nicht. Höchstens vielleicht für viel Geld im Importshop oder so. Man kann aber im Backshop sowas ähnliches wie Kleie kaufen und damit ein Vollkornbrot improvisieren, das ganz lecker schmeckt. Es ist eben so, als ich in Deutschland war habe ich so vieles von hier vermisst und nun ist es eben umgekehrt. Die Kunst ist es, sich davon nicht verrückt machen zu lassen und zu genießen,was man gerade hat. 
Und auch wenn ich nicht viel habe und gerade sehr einfach lebe, so fühle ich mich doch manchmal so reich beschenkt. 

In diesem schönen Garten haben Arthurs Freunde Hochzeit gefeiert.

Typisch indonesisch: Krupuk (Knuspriges Dings, dass man zum Essen dazu isst) in Blechbüchsen.

Typisch westlich: Wie-Käse mit Tomaten und dem ersten selbstgezupften
Basilikum. Das ganze gab es dann mit Mayo auf Brot und danach war mir schlecht,
aber das war's wert!

Die Kapuzinerkresse lebt immer noch!

Morgendliche Garteninspektion.

Unterwegs.

Wurzeln mit Fuß.

Morgendliche Motorradinspektion.

Er ist einfach so schnuckelig! Ich würde ihn gern in Marzipan nachbauen.

Felder und superschicke Gated Community.

Kommentare:

  1. Wow, ein Leben in Indonesien könnte ich mir ja gar nicht vorstellen. So weit weg von der Heimat, echt mutig. :) Ich bin dann lieber nur ein paar Flugstunden von zu Hause entfernt und das finde ich oft schon sehr lang.
    Die Visaformalitäten klingen nicht sehr schön und dann noch so oft. :/ Aber ihr scheint ja langsam den Dreh rauszuhaben. ;)
    War dein Freund denn schon mal in Deutschland? Dann kann er die deutschen Gewohnheiten besser kennenlernen. ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, es ist echt weit weg. Mal spontan nach Hause fahren geht leider überhaupt nicht und die Visaprozedur ist nervig, aber das ist es wert. Manchmal ist es schade, weil ich so vieles in der Heimat verpasse, aber nächstes Jahr wollen wir zusammen nach Deutschland fliegen. Das wird das erste Mal in Europa für meinen Freund und ich bin schon sehr gespannt, wie es ihm gefallen wird :)

      Löschen

Wenn ihr mir etwas sagen möchtet, eine Frage habt oder euch einfach nur mein Text gefallen habt, dann schreibt einen Kommentar. Danke schön!