Mittwoch, 4. Dezember 2013

Der zweite Monat.

UPDATE: Ich habe ein paar Anmerkungen im Text eingefügt

Und nun ist der November auch schon vorbei. Zwei Monate bin ich nun in Indonesien und es ist immer noch herrlich und wunderbar und ich bin noch immer glücklich, hier sein zu können. Mittlerweile fühlt es sicher aber auch ein bisschen normaler an. Verrückt ist es aber trotzdem. 
Während ihr in Deutschland jetzt Lebkuchen esst und Tee und Glühwein trinkt und die Adventszeit genießt, fühle ich mich hier nicht sehr vorweihnachtlich. Es ist nun schon das zweite Jahr hintereinander, dass ich Weihnachten in Indonesien verbringe, und ich bin froh, dass meine Familie mich trotzdem hat ziehen lassen. Ich hoffe, dass es wieder einen Familienskype geben wird :)

In den vergangen Wochen war so einiges los. Wir haben endlich unseren Freund Gatot aus Dresden getroffen, der schon seit einiger Zeit mit Frau und Kind zurück in Jogja ist. Wir wurden gleich als Babysitter engagiert, weil seine Frau für drei Wochen in Shanghai irgendein Projekt hatte. Darum haben wir viele Nachmittage und Abende in Gatots Haus verbracht und mit Leonce gespielt, versucht mit ihm sein Zimmer aufzuräumen oder ihn zum Essen überredet.
In der Uni läuft alles ganz entspannt ab, ich versuche jedes Mal ein bisschen was neues zu lernen. In Karawitan Yogyakarta, der Klasse in der ich für die Lehrer unsichtbar bin habe ich letzte Woche überraschend festgestellt, dass einer der beiden ein bisschen Englisch kann und mir sogar etwas beigebracht hat. Leider hat er dann aber vergessen mir zu sagen, dass man sich für die Prüfung am folgenden Freitag nachmittag (!) ein traditionelles javanesisches Kostüm aus dem Theaterdepartment ausleihen soll. Darum war ich als einzige in Zivil und habe nur zugeguckt.
Manchmal finde ich auch die Lehrmethoden der Dozenten in Etnomusikologi komisch. Die Studenten zeigen sehr großen Respekt vor ihren Lehrern und stellen darum auch nichts in Frage (das ist aber auch Teil der indonesischen Kultur: Alter und Status verdienen Respekt, wenn ältere/höher gestellte Leute reden, wird nur zugehört). Die Lehrer sind sehr streng, wer nicht geübt hat oder sich verspielt, wird ausgelacht. Komischerweise finden meine Mitstudenten aber alles was ich spiele supertoll, auch wenn ich noch so viele Fehler gemacht habe. Wenn man mal beim Spielen den Faden verliert kommt gleich der Lehrer und schnappt sich den Stick, mit dem man gerade auf die Bonang oder hauen will und den man auch gerade in der Hand hat, und schlägt damit auf die richtigen Töne. Ich fühle mich dabei immer wie eine Marionette, irgendwie fremd gesteuert. Hier darf man aber nicht vergessen, dass ich in einer Klasse des ersten Semesters bin, meine Mitstudenten sind so 19 bis 21 Jahre alt und müssen sich auch erst an der Uni zurechtfinden. Es gibt auch viele Studenten, die nicht nur zuhören und sondern auch hinterfragen. Natürlich sind viele Lehrer sehr autoritär, aber die Studenten lassen sich auch nicht alles sagen. Und es lachen auch nicht alle mit.
Es ist auch immernoch so, dass mir Sundamusik wahnsinnig viel Energie gibt, während Javanesische Gamelan mich sehr müde macht. Ich hatte eigentlich gehofft, dass wir nach der Prüfung ein neues Stück lernen (das würde dem ganzen ein bisschen mehr Pep geben), aber nein, wir spielen jetzt das erste und das zweite Stück direkt nacheinander, durch eine kleine Bridge verbunden.

Ansonsten war ich jetzt eigentlich jede Woche beim Yoga und hatte dann immer drei Tage Muskelkater. Heute war ich auch da, trotz fünf Stunden Schlaf und Hangover und wir haben Kopfstand gemacht. Dafür bin ich in der Entspannungszeit hinterher wieder fast eingeschlafen. Einmal ist der Kurs ausgefallen, weil es geregnet hat und die Enttäuschung und der Regen haben unsere ganze Energie genommen, so dass nur Essen und rumliegen möglich war. 

Was war sonst noch los?
Ich habe mir eine Guitarlele gekauft (ein Mix aus Gitarre und Ukulele) und zupfe fleißig daran herum. Klarinette habe ich auch gespielt, schließlich wollen wir bald eine Jamsession mit den Jungs aus dem Froghouse machen. Wir waren zur Movie Night dort und hatten viele Filmabende zuhause, weil Adrian (ein Darmasiswastudent aus Portugal) mit einer Festplatte voller Filme zu Besuch war. Wir waren bei einer Performance von Budi auf dem Dach eines Hotels und in einem anderen Hotel haben wir große Freude bei einer größeren Menschengruppe (vielleicht Teilnehmer einer Konferenz) ausgelöst, als wir im Pool schwimmen gehen wollten. Sie waren auf einem großen Balkon im ersten Stock und haben uns hinter Blumentöpfen und Zeitungen hervor beobachtet oder ganz offensichtlich mit Winken ihre Begeisterung gezeigt. 
Ich war einmal mit Arthur bei einem Pecel lele essen (Nasi uduk, in Kokosnussmilch gekochter Reis!) und wurde, als ich mein Essen bestellen wollte, komplett ignoriert. Das ist unsere Superkraft hier: Unsichtbar sein. Wenn man mit einem Mann unterwegs ist, hat der schließlich die Verantwortung, auch fürs Essen. Dazu gibt es ebenfalls noch etwas zu sagen: Es ist nicht so, dass man von jedem dauernd ignoriert wird. Eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Aber je nach Situation entstehen bei den Leuten hier oder auch bei mir Unsicherheiten oder Schüchternheit, weil sie mich manchmal nicht einordnen können. Und mir geht es oft genug genauso. Die Frage ist eben, wie man sich in solchen Situationen verhalten sollte. Natürlich sind die Menschen hier (genauso wie in Deutschland und überall) individuell verschieden, vielleicht hatte der Mann im Pecel lele auch einfach einen doofen Tag oder war müde.
In Zukunft will ich lernen, mich von solchem Verhalten nicht verunsichern zu lassen, sondern mich durchzusetzen. Als ich ein zweites Mal mit Adrian und Engguh dort essen war, konnte ich aber die Unsichtbarkeit ablegen.
Wir waren außerdem zu der Hochzeit eines Freundes von Budi eingeladen. Als wir über ein mögliches Geschenk nachdachten, kam uns eine großartige Idee: Ein Kochbuch für Männer. Hier ist es nämlich fast immer die Frau, die das Essen auf den Tisch bringt. Es gab sogar ein einziges (googelt mal "Kochbuch für Männer" auf Deutsch, da gibt es hunderte Möglichkeiten. Hier gibt es eine.), aber als wir im großen Buchladen waren, hatten sie es gar nicht da. Nach langem hin und her haben wir uns dann für das Buch "Yoga für Ehemann und Ehefrau" entschieden, damit werden sie sicher auch Freude haben. Bei der Hochzeit selbst ist mir dann noch eine große Unhöflichkeit passiert: Bevor man sich beim Essen anstellen darf, muss man viele viele Hände schütteln und seine Glückwünsche aussprechen. Nun wusste ich aber nicht, dass die Familien sehr streng muslimisch sind und nach ihrer Auffassung ist es fremden Männern und Frauen nicht gestattet sich anzufassen. Als ich auf das erste männliche Familienmitglied traf, schnappte ich mir also einfach seine Hand und schüttelte sie, obwohl er gerade dabei war, die Hände zum Gruß vor der Brust zu falten. Warum er so ärgerlich geguckt hat ist mir erst zwei Minuten später eingefallen. Sicherheitshalber habe ich dann keinen mehr angefasst. 

Erwähnenswert ist auch noch der Pot Cemetry (Topffriedhof) in Kasongan, einem Viertel in der Nähe unseres Hauses. Adrian, der dort lebt zeigte uns diesen Platz, an dem alle Töpfer der Umgebung (und das sind viele in Kasongan) alle Stücke ablegen, die nichts geworden sind, auch wenn sie fast makellos erscheinen. Es gibt Tonmasken, kleine Vasen, große Vasen, Autos und Buddhas in allen Größen. Leider haben uns sofort die Moskitos angefallen, als wir dort ankamen und es fing an zu regnen, darum haben wir nur eine Vase, eine Maske und zwei Aschenbecher mitgenommen und keine Fotos gemacht. Demnächst wollen wir aber noch mal hin. 
Und gestern hatten wir einen ganz besonders schönen Tag. Morgens kamen Malve und Rizky aus dem Froghouse, um für uns zu kochen, später kamen auch Arthur, Adrian und Engguh (der gerade für eine Woche in Jogja ist). Es gab Kaffee, leckeres Essen und wir haben ein bisschen Musik gemacht. Nach der Uni war ich dann mit Adrian und Engguh in Bukit Bintang, das ist eine Stelle auf einem Berg, von dort kann man über die ganze Stadt gucken. Als ich dann nach Hause kam, waren Dori und Arthur zu Besuch, es gab einen leckeren Drink und wir hatten viel Spaß dabei, uns ein Yogyakarta-Monopoly auszudenken. Das gibt's zwar auch wirklich, aber wir haben beschlossen, eins selbst zu machen.

Ein Meerschweinchen-Update hab ich noch: Die Männer und Frauen haben jetzt getrennte Wohnungen, um weitere Vermehrung zu vermeiden. Umso erstaunter waren wir, als eines morgens ein winziges Überraschungsbaby im Käfig saß. Es hatte ein paar Startschwierigkeiten, weil seine Mama Mogli ein bisschen gehandicapt ist und am Anfang nicht so recht wusste, was sie jetzt mit diesem kleinen Dingsbums anfangen soll, das dauernd an ihren Bauch krabbeln will. Wir haben das Baby dann mit Haferbrei gepäppelt und mittlerweile flitzt es fröhlich durch die Gegend, obwohl es am Anfang so klein und dürre war.


Genug der Worte, jetzt gibt's Fotos!

Spielen mit Leonce.
Spielen mit Engguh.

Im Regen auf der Terrasse.

Papua-Sixpack.

Und dann wollten alle eins.

Rosi.

August.

Erwin.

Und der/die Jüngste.

Hochzeitspaar.
Filmabend: Mieze, Snackies und gute Gespräche.

Singen in der ISI.

Kasonganbewohner.

Steffi in Kasongan.

Engguh in Kasongan.

Adrian wartet auf den Bus.

Sonnenuntergang über Jogja.

Malve kocht!

Iris schnippelt!

Malve auch!

Tempe!

Möhrchen!
Happy Pillowface.
Lecker war's!
Morning Glory Face.

Diskussion in der Küchentür.

Jogja bei Nacht.

Ein guter Ausblick, auch für's Geschäft.

Und ein Drink mit Spirit.

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