Sonntag, 20. Oktober 2013

Der Regen kommt.

Nachdem es die letzten Tage fast unerträglich heiß war, ist es heute nahezu kühl hier in Jogja. Die Regenzeit beginnt nämlich. Schon am Mittwoch gab es viele dunkle Wolken und ein paar Regentropfen, gestern hat es dann das erste Mal etwas stärker geregnet. Endlich ist der Fluss vor unserer Tür wieder mit mehr Wasser als Müll gefüllt und der Regen hat den ganzen Staub aus der Luft gewaschen, herrlich. Heute früh wurde ich von den Nachbarn geweckt, die ein großes Zelt vor ihrem Haus aufbauen, wahrscheinlich für eine Hochzeit oder so. Dafür gab es aber auch schon Kaffee aus Bali. Und jetzt sitze ich unter den Blicken meiner mutiger werdenden Mitbewohner in meinem Zimmer und werde nun von den letzten Tagen berichten.
Dienstag war ein wichtiger muslimischer Feiertag, das Opferfest. An diesem Tag schlachten viele Familien ein Schaf oder eine Kuh, das Fleisch wird dann im ganzen Dorf verteilt, so dass jeder etwas bekommt. Abends waren wir bei der Party eines Freundes von Iris, der ebenfalls aus Deutschland kommt. Er lebt schon eine Weile in Indonesien und ist auch mit einer Indonesierin verheiratet. Da wir doch ziemlich lange blieben, ging ich am nächsten Tag erst um neun in die Uni, normalerweise beginnt der Java-Unterricht schon halb acht. Mittwochs ist immer mein langer Tag, ich habe erst javanesische Gamelan, dann Musik aus Kalimantan und zum Schluss noch Sunda. In Kalimantan hatten wir überraschend eine Art Prüfung, jeder musste einzeln das in den letzten Wochen gelernte Stück auf der Sape vorspielen. Dadurch war der Unterricht aber auch viel früher zu Ende, als erwartet, so dass ich überraschend zwei Stunden Zeit hatte. Eigentlich wollte ich nach Hause fahren, aber dann traf ich auf ein paar Studenten aus Budis Jahrgang, die ich schon seit letztem Sommer kenne und wir gingen gemeinsam ins Warung Kucing (kucing heißt Katze). Das ist in der Nähe der Uni, es gibt gutes Essen und guten Kaffee und WiFi gibt es auch. Nach einer Pause mit Kaffee, Es Jeruk (sowas wie kalter Orangensaft) und holprigem Indonesisch fuhr ich zurück zur ISI, um in den Sundaunterricht zu gehen. Und dieses Fach wird sicher mein Lieblingsfach, auch wenn ich noch seeeeehr viel üben muss. Der Lehrer ist wirklich gut, er war der erste Lehrer, der mich nicht ignoriert hat. Er hat mich der Klasse vorgestellt und mir mit den einzelnen Instrumenten geholfen. Auch die anderen Studenten waren wieder sehr nett. Wir üben nämlich ein Stück zu dem auch Gesang gehört. Auf sundanesisch. Und ziemlich hoch. Ein paar Mädels haben mir die Melodie und die richtige Aussprache beigebracht, aber trotzdem muss ich noch eine Weile üben, bis ich die richtigen Töne treffe. 
Weil ich mich die letzten zwei Wochen mit einer üblen Blasenentzündung herumgeärgert habe, war ich am Freitag mit Arthur im Norden in einem katholischen Krankenhaus. Eigentlich wollten wir schon Donnerstag hin, aber da war der Spezialist nicht da. Wir haben drei Stunden gewartet, bis ich endlich zu dem sehr netten Arzt konnte. Er konnte sogar Englisch ("You speak a little Bahasa Indonesia and I speak a little English") und hat mir Schmerzmittel und Antibiotikum verschrieben. Nachdem ich dann noch mit ein paar Zetteln hin und herlaufen musste und über 700.000 Rupiah bezahlt habe, konnten wir endlich wieder gehen. Nachdem wir mich heile gemacht haben, war dann noch mein Motorrad dran. Wir haben neues Öl und eine neue Zündkerze gekauft und ich habe mich in einem Motorradladen in einen sehr schicken Helm verguckt. Ich benutze gerade einen Kinderhelm, der aber ein bisschen zu klein ist und mir nach zehn Minuten Kopfschmerzen macht, ich brauche also dringend einen eigenen. 360.000 Rupiah waren aber doch ein bisschen teuer, darum werde ich versuchen, ihn woanders aufzutreiben. Beim Bengkel habe ich dann selbst mal erfahren wie es ist, wenn alle Leute um einen herum Javanesisch reden und man selbst einfach nur doof da sitzt. Ich hab also immer gefragt, was denn grad los ist (Opo? Opo?) und eigentlich wollte ich auch helfen, aber da muss man sich ganz schön durchsetzen. 
Freitag abend sollte im Stonehouse (ein Haus, das wie ein Schloss aussieht und in dem viele Darmasiswas wohnen) eine Party sein. Aber als wir ankamen, saßen nur ein paar Leute gemütlich rum und erzählten uns, dass die Party verschoben war, weil einige der Studenten auf Karimunjawa, einer Ferieninsel in der Nähe, festsaßen, weil die Fähre nicht fuhr. Aus Höflichkeit sind wir aber geblieben und es war dann doch noch ganz lustig. 
Gestern dann sind Budi und Iris zum Wandern in die Berge gefahren, mit Zelt und Schlafsack und so. Ich bin alleine zum Krankenhaus gefahren, um meine Testergebnisse abzuholen und habe mich dabei nur zweimal verfahren. Langsam kriege ich das mit der Orientierung aber gut auf die Reihe, aber ich brauche wohl einen Kompass am Motorrad, weil die Richtungen meistens mit den Himmelsrichtungen angegeben werden. Weil das Labor aber am Wochenende zu hat, bin ich zu Arthur ins Café gefahren und habe dort den restlichen Tag vertrödelt, Kaffee getrunken, Pizza gegessen und gequatscht. Als es dunkel wurde bin ich nach Hause gefahren, wo schon hungrige Meerschweine auf mich warteten. Später hat mich Arthur wieder abgeholt und wir haben zwei Freunde getroffen, Tolas und Mo'ong. Tolas kannte ich bisher noch nicht, er ist auch ein Darmasiswastudent, aber in Solo. Mo'ong hat Komposition oder sowas studiert und wir haben sehr intensiv über Ethnomusik diskutiert, was ist Tradition, was ist Kultur, lauter solche Sachen. Und wusstet ihr zum Beispiel, dass der französische Komponist Claude Debussy von javanesischer Gamelanmusik inspiriert wurde? 
Ein paar Fotos habe ich auch noch, einige sind aber mit dem iPod gemacht, darum ist die Qualität eher doof.

Interssantes Dingsbums vor der Uni. 
Mein tolles Motorbike.

Rosi.

Meine beiden Mitbewohner in voller Schönheit. Wenn nur die Kacke nicht immer wäre...

Kommentare:

  1. Schicker Motorroller, wie schnell fährt der denn?

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    1. Letztens haben wir mal 80 geschafft, aber in der Stadt fahr ich eher 40 oder so. Die Straßen sind oft nicht so toll und es sind auch sehr viele Menschen unterwegs.

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