Sonntag, 27. Oktober 2013

Der erste Monat.

Seit ungefähr einem Monat bin ich jetzt in Indonesien. Heute habe ich mir Gedanken gemacht, was in den letzten Wochen passiert ist, was sich schon verändert hat, ob ich schon etwas gelernt habe, was gut war und was nicht.
In den ersten Tagen fühlte ich mich noch nicht so recht angekommen, der Körper war schon hier, aber die Seele hing noch irgendwo fest und kam erst nach und nach hinterher. Es war eher wie im Urlaub sein und ich realisierte erst nach und nach, dass ich kein Tourist bin, sondern ein ganzes Jahr bleiben kann. Mit dem eigenen Motorrad wurde ich selbstständiger, mittlerweile fahre ich regelmäßig in die Uni. Mein Stundenplan ist nicht übermäßig voll, dadurch habe ich genug Zeit für andere Aktivitäten, zum Beispiel dienstags mit Iris zum Yoga gehen. Meistens komme ich auch allein unter Indonesiern klar, aber es gibt immer wieder Tage, an denen ich einfach alle Worte vergesse und mich alles sehr müde macht. 
Wir waren bei Konzerten, Ausstellungen, Filmabenden und einer Bule-Party und haben uns auf dem Weg ins Froghouse gigantisch verfahren. Morgens kommt Arthur zum Kaffee und abends mit Spirit und wir glauben, dass er bald hier einzieht. Wir haben zu Hause gekocht, Essen geholt oder im Pecel lele (Essenstand am Straßenrand) gegessen. Besonders erwähnenswert: Nasi telur mit petai (Stinkbohne), Pizza, Burger mit Pommes in viavia, Sandwich aus Iris' Schule.
Wir haben viel herumgealbert, aber es gab auch ernsthafte Gespräche über die politische Situation in Indonesien, über die Kultur(en) hier, über Hitler, über Tradition, Kulturschock, Toleranz, Religion und ganz viel über Musik.
Die Meerschweinchen haben Babys bekommen und die beiden Tokehs in meinem Zimmer auch. Ich habe neue Leute kennengelernt und kann mir indonesische Namen meistens nicht merken. Ausnahmen: Ozie (z wie s aussprechen), Kharisma, Inggo. Wir haben einen neuen Meerschweinkäfig gebaut, Türen bemalt, das Klo repariert, gestrickt, genäht, geknüpft und viel gelacht.

Worüber wir gelacht haben? Holger und Hubertus, die Furz-App, Obama und das weiße Haus, die singende Ibu am Morgen, die Hochzeit der Nachbarn, die Spinnenpanik, der Typ am Swimmingpool der wie Ken von Ken und Barbie aussah, always is something, Leute die uns anstarren, die BBC-Naturfilme mit Gorillas, rülpsenden Fischen und tanzenden Vögeln, die Einordnung in stabil und not stabil und die Unterwäsche im Laundrypaket, die nicht uns gehörte.

Ich habe schon ein bisschen was gelernt, zum Beispiel im Unterricht selbst die Initiative zu ergreifen wenn der Lehrer mich ignoriert, Motorrad fahren im wilden Straßenverkehr, jeden Tag ein paar neue Worte, auf dem Bauch zu schlafen (hab ich in Deutschland nie gemacht) oder radebrechend Argumente zusammensuchen, warum man Hitler nicht toll finden sollte. Aber es gibt auch noch vieles, was ich lernen will, geduldiger sein zum Beispiel (vor allem mit mir), ich möchte selbstständiger werden, viel neues ausprobieren und mir weniger Gedanken machen, zum Beispiel über meine Figur. Völlig überbewertet!

Für die nächste Zeit habe ich schon viele Ideen. Ich werde eine Tasche nähen und knüpfe ein Band für den Motorradschlüssel, weil der so lose ist. Weil ich mir viele Gedanken darüber mache, wie man mit dem Müllproblem und der Umweltverschmutzung hier umgehen kann, versuche ich beim Einkaufen auf Plaste zu verzichten und ich will einen Wurmkompost anlegen in dem dann zukünftig Würmer, die eigentlich als Fischköder gedacht waren, unseren Biomüll in tollen Kompost für die Kräuter und Tomaten verwandeln werden. Vielleicht ist es auch möglich Kosmetik selbst herzustellen, Seife aus Kokosöl zum Beispiel. Auch die Masterarbeit darf nicht zu kurz kommen, ich bin aber immernoch dabei, die vielen hundert Erdbeerfotos neu zu sortieren, das Wiederherstellungsprogramm hat alles wild durcheinander gewürfelt.

Der erste Monat war geprägt von Abschied nehmen und neu ankommen. Ich beginne mich zu orientieren und umzusehen und bin gespannt, was die nächste Zeit bringen wird.
Ganz oben auf meiner Liste steht auch, die Kamera öfter mitzunehmen. Das habe ich in der letzten Woche nicht gemacht, darum gibt's erst nächstes Mal wieder Fotos.

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