Sonntag, 26. März 2017

Sieben Sachen #04 – 2017

Es ist wieder Sonntag und ich habe sieben Fotos von Dingen gemacht, für die ich meine Hände gebraucht habe. Mal fünf Minuten, mal fünf Stunden lang. Die Idee dazu hatte Frau Liebe, gesammelt werden die sieben Sonntagssachen hier.

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Mütze. Zunächst begann er aber ganz anders und zwar damit, dass ein flauschiger Hintern mein Gesicht streifte. Der Hintern gehörte (und gehört immer noch) Nina. Seitdem sie keine Babys mehr machen will, hat sie sich in ein kuschliges Wesen verwandelt und möchte morgens immer schmusen. Nun aber zum mützigen Teil des Tages:



1. Mütze I - Markierungsfäden eingezogen. Wer braucht schon Maschenmarkierer, wenn es Restfäden gibt? Die Mütze ist für den Mann, die Anleitung hab ich von hier. Ich habe endlich herausgefunden, wie man mit Rundstricknadeln auch Projekte kleinen Durchmessers rundstricken kann und bin seitdem deutlich schneller. 


2. Mütze II - Sicherungsfaden angebracht. Diese Mütze war schon der zweite Versuch, die erste Version war etwas zu lang. Für den Fall, dass diese hier wieder zu lang oder gar zu kurz sein sollte, hab ich einfach ein langes Stück Zahnseide als Sicherung eingezogen. Dadurch kann man fröhlich aufribbeln und stoppt genau da, wo der Faden sitzt. Kein mühseliges Rückwärtsstricken mehr! War aber zum Glück nicht nötig :)


3. Sago gelöffelt. Ich mag Glibber und der hier war auch noch mit Kokosmilch. Lecker und leider viel zu wenig!


4. Manfred in der Box fotografiert. Seht Ihr seine winzigen Vampirzähnchen? Manfred ist gerade ein bisschen krank, er hatte Struvitkristalle im Pipi. Die haben wir zum Glück mit einer Futterumstellung auf sauteures R***l-C***n-Spezialfutter wieder in den Griff bekommen, aber die einhergehende Blasenentzündung ist noch nicht ganz abgeheilt. Dagegen gibt es nach Leberwurst riechendes Antibiotikum und viel Gekuschel. Hoffentlich ist alles bald wieder gut.


5. Mütze III - Fäden vernäht. Der langweiligste Part bei der ganzen Mützenstrickerei war zum Glück schnell erledigt. Ich war richtig aufgeregt, endlich mal was fertig zu haben! Häkeln und Stricken tue ich ja dauernd, aber ich fange dauernd was neues an und tue mich schwer damit, mal eine Sache zu Ende zu bringen. In meiner Handarbeitskiste liegen gerade: eine Häkeldecke, ein Häkelrucksack aus Hexagons (bisher vorhanden: 60/144 Hexagons), ein Häkelteddy, ein Minion, ein Amineko, eine Maschenprobe, ein Pussyhat und ein Täschchen für mein Notizbuch. Es ist immer was zu tun! Und eine Bambusmütze will ich auch!


6. Mütze IV - fertig! Dank Bambusgarn ist sie ganz leicht und weich, nur leider ein bisschen spitz für meinen Geschmack. Dem Mann steht sie aber gut und das ist wichtig, damit seine Ohren demnächst im mitteleuropäischen Frühling nicht erkalten.


7. Mütze V - Pussyhat mit Background-Pussy. Noch eine Mütze, diesmal aber aus fester Baumwolle gehäkelt. Ich habe sie oben schon mal zugenäht, um die Ohrenbildung zu begutachten und sie gefällt mir wirklich gut. Dann kann ich demnächst mit einem feministischen Statement auf dem Kopf herumlaufen!

Der Mützensonntag ist schon bald vorbei. Bald gibt's Abendbrot (irgendwas mit Ei und Reis) und dann ist Matratzenhorchdienst angesagt. Morgen will ich wieder fleißig in die Tasten hauen, damit ich zu Ostern entspannt mit der Familie feiern kann. Ach, ich freu mich schon so! 

Dienstag, 21. März 2017

Vierundzwanzig Stunden in Singapur.

Nicht ganz vier Wochen ist mein Minitrip nach Singapur nun schon wieder her. Weil mein Visum nach 180 Tagen ablief, musste ich das Land verlassen – und dafür ist Singapur die schnellste Möglichkeit. Diesmal blieb ich nur eine Nacht, denn ich beantragte kein neues Besuchsvisum in der Botschaft, sondern kaufte nach meiner Ankunft auf dem Flughafen in Yogyakarta ein Visa on Arrival. Das ist (mit einer Verlängerung) nur 60 Tage gültig und mehr brauche ich auch nicht, denn Ostern werden der zukünftige Mann und ich zusammen (!) in Deutschland sein. Juhu!


Nun also, Singapur. Montag früh ging's los, das Flugzeug sollte halb acht starten, um fünf war ich am Flughafen. Dort war nicht viel los und nach Bordkarte ausdrucken und Sicherheitscheck saß ich erst einmal nur herum und wartete, dass das Gate für die internationalen Flüge öffnen würde. 
  

Dort sieht es auch nicht anders aus, als in der Inlandsflug-Abflughalle. Der einzige Unterschied ist, dass man vorher noch durch die Immigration muss, bei der ein finster blickender Beamter durch meine vielen vielen Visumsaufkleber blättert und mich ab und zu prüfend mustert. Ich fühle mich in solchen Situationen immer etwas unbehaglich und war froh, als ich durch war. Dann kam auch endlich der Appetit und ich packte mein Frühstück aus: Süßes Brot und "Cell" von Stephen King. 


Der Flug von Yogyakarta nach Singapur dauert ungefähr zweieinhalb Stunden. Ich hatte einen Fensterplatz erwischt, aber die meiste Zeit sieht man da eh nichts. Beim Landeanflug auf Singapur musste ich leider mein Telefon ausmachen und konnte kein Foto machen, dafür habe ich dann später das Terminal 3 von innen fotografiert. Der Changi Airport in Singapur ist der tollste Flughafen der Welt, im Transitbereich gibt es sogar ein Kino und einen Schmetterlingsgarten und überall hängen Touchscreens, auf denen man sein Erlebnis auf dem Klo oder bei der Passkontrolle bewerten kann. Ich vergebe immer fröhlich lachende Smileys, denn die Bewertung fällt sicher auf die Angestellten zurück.


Nach einigem Fußmarsch erreichte ich die U-Bahn-Station. Von früheren Aufenthalten in Singapur hatte ich noch drei Chipkarten übrig, mit denen man alle Fahrten mit Bus und Bahn bezahlt. Am Fahrkartenautomaten kontrollierte ich fix das Guthaben und begab mich dann auf meine Reise Richtung Clarke Quay. 


In der Clarke Quay Central Mall angekommen, war es Zeit zum Mittagessen. Bei der Recherche nach vegetarischen Restaurants hatte ich im Internet Real Food entdeckt. Dort war es schon ein bisschen fancy (mit Arthur hatte ich meistens in irgendwelchen Foodcourts gegessen, wo viel Schweinefleisch verfügbar ist), doch die Minireise war auch ein Date mit mir selbst und das war es wert. Bei Real Food gab es leckere Limonade...


… und Pasta mit Tomatensoße, Spinat und Feta! Vielleicht ein bisschen zu scharf für meinen Geschmack, doch ansonsten sehr lecker. Im Real Food war ich sicher nicht zum letzten Mal, dort gibt es sogar Sonnentor-Tee und Naturkosmetik zu kaufen und gemütlich ist es auch.

Anschließend machte ich einen kleinen Spaziergang ins benachbarte und etwas chaotische People's Park Center, eine Mall in Chinatown, um den Handarbeitsladen "Golden Dragon"zu besuchen. Im August war ich schon einmal da und für Wollfreaks wie mich ist der Laden ein Paradies. Leider ist es dort ein wenig teuerer und ich kaufte nur rasch zwei Knäuel Bambusgarn. Das gleiche Garn hatte ich im August schon mitgenommen, um daraus eine Mütze zu stricken. Es neigte sich bedrohlich schnell zur Neige und Nachschub musste her.


Der nächste Punkt auf meiner Liste war das Spotlight. Das ist ein riesiges Bastelgeschäft im Plaza Singapura, einer weiteren Mall. Man kann es auf dem Foto oben sehen, es ist Geschäft über "livit" mit dem blauen Schild – und erstreckt sich fast über die ganze Etage! Singapur scheint nur aus Malls zu bestehen und man kann die Stadt sicher von einem zum anderen Ende durchqueren, ohne ans Tageslicht zu müssen. 
Im Spotlight blieb ich sehr lange, verglich Garnstärken, befühlte Wollknäuel und umkreiste die Regale, es war einfach toll. Mit drei weiteren Knäueln im Rucksack (Kitchen Cotton von Lion Brand und Sugar 'N Cream von Lily) machte ich mich schließlich auf den Weg zum Hotel, dem Fragrance Pearl Hotel in Geylang. Geylang ist zwar das Rotlichtviertel Singapurs, aber davon kriegt man nicht viel mit. Auch als alleinreisende Frau habe ich mich dort nie unsicher gefühlt. In dem gleichen Hotel waren wir auch schon im August und fanden es ziemlich gut dort – die Leute sind nett, es ist sauber und modern.


Nach dem vielen Gelaufe taten mir die Füße weh, also legte ich eine Keks- und Lesepause mit meinem Reisebegleiter Bob ein. Das gruslige Buch von Stephen King hatte ich zum Glück schon im Flugzeug ausgelesen, denn wenn ich alleine unheimliche Geschichten lese, traue ich mich nachts nicht allein ins Bad. Auf meinem tolino wartete schon "Die andere Seite des Himmels" von Jeannette Walls auf mich. Das ist eine nette Geschichte, aber ihre anderen Bücher mochte ich lieber.


Am frühen Abend machte ich mich dann auf zu Veganburg, einer veganen Fast-Food-Kette. Dort ging es weiter mit den hübsch etikettierten Limonadenflaschen und natürlich ihrem leckeren Inhalt. Endlich mal Abwechslung zum täglichen Es Jeruk! 


Auf Plastikgras sitzend verspeiste ich einen Burger mit Pilzsoße und veganem Käse und war irgendwie nicht so angetan. Erkenntnis des Tages: vegan ist kein Qualitätssiegel! Hier wollte man offensichtlich nur auf der Vegan-Welle mitschwimmen, im Real Food war es eindeutig leckerer. Zum Ausgleich ging ich hinterher noch in den Supermarkt gegenüber des Hotels und besorgte mehrere Schokoriegel, sowie Bananenmuffins fürs Frühstück. Vom restlichen Abend gibt es kein Foto mehr, ich duschte heiß, legte mich ins große Hotelbett, aß Schokolade, las und betrachtete immer mal wieder meine neue Wolle. 


Am nächsten Morgen warf ich Bob und meine paar Habseligkeiten in den Rucksack (nur mit Handgepäck zu verreisen, hat echt was für sich) und machte mich mit Bus und Bahn auf den Weg zurück zum Flughafen. Dort musste ich leider etwas länger warten, weil mein Flug Verspätung hatte und erreichte Jogja eine Stunde später als geplant. Mit dem Visum ging alles glatt, keiner fragte mich, warum ich denn schon wieder in Indonesien sei und auch das vorsorglich gekaufte Ausreiseticket (Jakarta – Singapur für 15 Euro) wollte niemand sehen. Arthur nahm mich in Empfang und wir feierten meine Rückkehr mit mehreren Schüsseln chinesischer Nudelsuppe. 

Sonntag, 19. Februar 2017

Sieben Sachen #03 – 2017

Heute bin ich endlich wieder bei den sieben Sachen dabei. Ich habe Fotos von sieben verschiedenen Sachen gemacht, für die ich heute meine Hände benutzt habe – ganz egal, wie lange. Auch andere Blogger:innen geben heute einen kleinen Einblick in ihren Sonntag. Bei Anita von Grinsestern werden die sieben Sachen gesammelt. Die Idee stammt von Frau Liebe.



1. Ei auf mein Essen gelegt. Heute gab's mal wieder Nasi padang zum Frühstück. Als Vegetarierin habe ich dort nicht die allergrößte Auswahl, aber es reicht mir. Heute lagen neben Reis Tempe (fermentierte Sojabohnen), Curry aus grünen Bohnen und grüner Jackfrucht auf meinem Teller, bedeckt von eben jenem bis zur Unkenntlichkeit frittiertem Ei. 

Fun Fact: Ich hatte lange Zeit Probleme mit dem indonesischen Wort für Ei, "telur". Im Padangrestaurant bezahlt man erst nach dem Essen. Man muss sich also merken, was man verspeist hat und das auch noch in der richtigen Reihenfolge an der Kasse aufzählen. War ich an der Reihe, gab es ab und zu Missverständnisse:

Steffi: "Nasi sayur pake telur." (Reis mit Gemüse und Ei)
Mädchen an der Kasse: "Aaah, Es teh!" (Aaah, Eistee!)
Steffi: "…"



2. Kaffee umgerührt. Auch wenn in Indonesien Robusta-Kaffee angebaut wird, sind die Leute hier in Jogja irgendwie keine großen Kaffeetrinker. Gerade morgens ist es besonders schwer, guten Kaffee zu finden. Abends ist das komischerweise kein Problem, das verstehe wer will. Heute haben wir einen kleinen Laden entdeckt, der verschiedene Sorten Kaffee aus verschiedenen Gegenden Indonesiens verkauft. Ich hatte Toraja-Kaffee aus Sulawesi.


3. Einkäufe ausgepackt. Für mich geht es morgen früh nach Singapur, darum brauchte ich Reiseproviant fürs Flugzeug und Bonbons für den Druckausgleich. Der Flug geht schon halb acht, darum bringe ich mein Frühstück selbst mit. Mittags geht's dann zum Ausgleich ins Real Food <3



4. Gepackt (links mit wenig hilfreicher Nina, rechts fertig). Viel brauche ich nicht, ich bleibe nur eine Nacht weg. Wie man sehen kann, ist Nina seitlich ein bisschen kahl, weil sie vor knapp zwei Wochen endlich kastriert wurde. Sie hat alles gut überstanden, muss keinen entwürdigenden Trichter mehr tragen und durfte nach ein paar Tagen in der Tierklinik wieder nach Hause. Nina war wirklich geduldig und tapfer, da darf sie auch mal mit meinen Socken kämpfen. 


5. Gehäkelt, bis das Garn alle war. Das hier wird ein Pussyhat. Die Anleitung habe ich von der verlinkten Website und ein bisschen angepasst. 


6. Wäscheständer in die Sonne gerückt. Mir fiel erst beim Frühstück ein, dass meine Jeans für morgen noch in der Laundry ist. Dort haben sie kurzerhand abgeholt und hier getrocknet. Puh, Tag gerettet! Sehr Ihr den Kürbis, der durchs halbe Bild wächst? Das ist ein Butternut-Kürbis, der aus einem zufällig heruntergefallenen Samen entstanden ist. Er blüht schon fleißig, aber bisher sind es nur männliche Blüten. Die erste Kürbisernte steht also noch aus.


7. Salak umgetopft. Salak ist die Frucht einer Plane und ich kann mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, wann ich den Kern gepflanzt habe. Gestern überraschte mich der Sämling in meinem Kasten mit den Auberginen, der früher mal Rosmarin beherbergte, da konnte er natürlich nicht bleiben. 

Das war also mein Sonntag! Jetzt schreibe ich noch meinen Spickzettel für morgen fertig, denn in Singapur erwartet mich ein tolles Programm: Ich werde Wollgeschäfte besuchen und habe mir zwei vegetarische Restaurants ausgesucht, die hoffentlich so toll sind, wie das Internet verspricht. Ich schreibe mir auf, mit welchen Buslinien ich dort hin komme, bin also bestens vorbereitet! Ach, ich freue mich schon auf eine heiße Dusche, leckeres Essen, Bus und Bahn fahren und einen gemütlichen Abend im Hotel. Dienstag früh fliege ich dann schon wieder zurück, diesmal wird es nur ein kurzer Ausflug. Ich werde aber trotzdem Fotos machen!

Ich wünsche Euch allen einen schönen Sonntag!

Freitag, 27. Januar 2017

Im Angkringan.



Ein Angkringan ist ein mobiler oder stationärer kleiner Essensstand, an dem einfache Snacks wie frittiertes Hühnchen, Tempe und Tofu, kleine Bananenblattpäckchen mit Reis (Nasi kucing) Wachteleier am Spieß, Cracker, geröstete Erdnüsse oder Instantnudeln verkauft werden. Typische Getränke sind Tee, Jeruk (ausgepresste Miniorange, wahlweise mit Eis oder in heißem Wasser), Ingwer und Instantkaffee. Ein Angkringan hat ein Dach aus dicker Plastikplane und ist vor allem in den Städten Java und Solo zu finden. Meistens finden nur wenige Menschen gleichzeitig darin Platz. Manche Angkringans öffnen erst abends und nachts. Mittlerweile gibt es auch "moderne" Angkringans, die eher einem Café gleichen. Um ein solches geht es in diesem Text nicht.


Jeden Abend baut sie ihren kleinen Stand am Straßenrand auf. Füllt gebratene Hähnchenteile und kleine Tütchen mit Erdnüssen in Plastikschalen, stapelt Päckchen mit Reis und Tempe, setzt Wasser auf, schaltet das Radio an. Daraus klingt ununterbrochen leise Gamelanmusik. Es ist schummrig. Ihr Fahrrad, auf dem sie das Essen und alles andere mehrere Kilometer weit transportiert hat, ruhig durch den verrückten indonesischen Verkehr, lehnt hinter ihr an der Wand. Es ist ein altes, einfaches Damenrad, dem man den täglichen Gebrauch ansieht. Ein Hollandrad. Sepeda onthel, so nennt man diese Art Fahrrad hier. Ich mag es. 

Als wir das erste Mal bei ihr waren, wollte ich nur etwas trinken. Einen heißen Tee vielleicht oder aufgebrühten Ingwer, so genau weiß ich das nicht mehr. A bestellte eine Nudelsuppe, ein Süppchen mehr, dass sie aus Instantnudeln, etwas Grünzeug und einem Ei zubereitete. Ich durfte kosten und aß daraufhin A's Schüssel leer, so dass er bei ihr eine neue Portion bestellte. 

Seitdem waren wir schon einige Male bei ihr. Mal setzen wir uns auf die einfachen, etwas schiefen Holzbänke, um besagte Nudelsuppe zu löffeln, mal braucht A nur einen frittierten Hühnerkopf für sein Nasi goreng. Oder ich heißen Ingwer, den sie mir zum Transport in eine Plastiktüte füllt. Sie sieht immer müde aus. Und alt. Dabei ist sie sicher nicht viel älter als meine Eltern. Sie ist nie allein, immer sind andere Kunden da. Junge und ältere Männer, manche im Sarong, manche in Jeans. Die reden nicht viel. Rauchen dicke Nelkenzigaretten, spielen mit dem Smartphone. Andere Frauen habe ich dort noch nie getroffen. Mehr als sechs oder sieben Leute passen ohnehin nicht gleichzeitig auf die Bänke. 

Sie ist nie allein und doch sitzt sie für sich. Ab und zu nickt sie ein. Das wundert mich nicht. Tagsüber arbeitet sie in einem kleinen Laden nicht weit von unserem Haus, der Gemüse, Obst und vor allem viele Sorten Bananen verkauft. Sie braucht das Geld. Ihr Mann ist krank und von den Kindern kommt – soweit ich weiß – keine Unterstützung. Bei aller Müdigkeit ist sie freundlich und nickt mir lächelnd zu. Sie spricht meistens auf Javanisch, darum regelt Arthur die Kommunikation. 

Das sanfte Licht und die Musik schaffen eine warme, fast schläfrige Atmosphäre um sie her. Eine Katze schlüpft unter den Tisch und sucht nach Heruntergefallenem. Schleppt einen Hühnerknochen fort. Wenn wir bezahlen wollen, müssen wir die Stimme heben, weil sie wieder eingenickt ist. Wir bezahlen nicht viel. Es ist billig. Wir essen immer ein bisschen mehr, stecken noch ein Tütchen Nüsse ein. Sie schiebt die Geldscheine unter das Wachstuch, das den Tisch bedeckt. Wir stehen auf und gehen. Sie bleibt, bis die Schalen leer sind. Wird dann das Radio ausschalten, ihre Sachen zusammenpacken und aufs Fahrrad laden, die Bänke zusammenrücken, davon fahren. Am Abend ist sie wieder hier. 

Sonntag, 22. Januar 2017

Sieben Sachen #02 – 2017

Wieder ist Sonntag und ich habe Fotos von sieben Sachen gemacht, für die ich heute meine Hände gebraucht habe – mal kurz, mal länger. Auch andere Blogger:innen geben wieder einen kleinen Einblick in ihren Sonntag und alle sieben Sachen werden bei Anita von Grinsestern gesammelt. Ich freue mich schon, morgen früh durch die anderen Blogs zu stöbern. Die Idee zu diesem famosen Sonntagsprojekt stammt von Frau Liebe.

Mein Sonntag war nicht gerade der produktivste. Ich bin seit Dienstag erkältet, erst gab es Halsschmerzen und Fieber, jetzt sind wir zu Husten und Schnupfen übergegangen. Zum Glück bin ich mit Sinupr*t & Co. bestens ausgestattet, trinke fleissig Aufgüsse aus Ingwer oder Kurkuma und schlafe nachts mit einer Katze auf meinen Füßen – die Genesung ist nur noch eine Frage der Zeit :)


1. Alle Kissen gelüftet. In den letzten Tagen habe ich viel Zeit im Bett verbraucht und es hat viel geregnet, kein Wunder dass die Kissen etwas muffig wurden. Das auf dem Bild sind gar keine Kopfkissen, sondern so Kissenwürste. Die sind prima, wenn man ohne Bettdecke oder auf der Seite schläft, vielleicht vergleichbar mit Stillkissen. Ich liebe die Dinger jedenfalls sehr und habe sie in Deutschland wirklich vermisst. Fun Fact: Das guling (so heißt die Kissenwurst auf Indonesisch) nennt man auf Englisch "Dutch wife"und es gibt sogar einen Wikipedia-Artikel darüber. 


2. Den Ventilator angeschaltet. Erst kurz nach Weihnachten haben wir uns einen neuen Ventilator geleistet, der sich dann zu Hause als etwas zu leistungsstark entpuppte. Darum hat Arthur einen Dimmer eingebaut, so dass wir die Windstärke regulieren können. 


3. Tee ausgewählt. In meinem Weihnachtspaket war auch ein Tee-Adventskalender mit 24 verschiedenen Tees. Wenn ich krank bin, trinke ich morgens lieber Tee als Kaffee und heute habe ich  mir den klimatisch höchst unpassenden "Schneeballschlacht-Tee" ausgesucht. Ob der jetzt bei winterlichen Temperaturen besser schmeckt, kann ich nicht beurteilen (besonders mit verstopfter Nase nicht), aber er war ganz lecker. 


4. Gewischt. Heute hat mal nicht Manfred gekotzt, sondern Nina. Bei ihr ist das immer besonders eklig, weil sie a) unberechenbar umherläuft und überall Flecken hinterlässt und b) dabei sehr menschliche Geräusche macht. Und das vor dem Frühstück! Aber der Mop ist super.


5. Gestrickt. Nach dem Frühstück habe ich noch ein bisschen strickend herumgesessen und meine Tee getrunken. Dieser grün-gelbe Lappen ist eine Maschenprobe. Das Garn habe ich letztens im Internet bestellt, es besteht zu 70% aus Bambus und fühlt sich sehr weich und etwas kühl an. Eigentlich möchte ich daraus einen leichten Pullover machen, aber dazu muss die Maschenprobe erst noch eine Waschung überstehen. Zum Vergleich habe ich auch noch Milchgarn gekauft, das hat nicht so eine lange Lauflänge, ist etwas "wolliger" und wird sicher in den kommenden Wochen hier im Blog auftauchen.


6. Schlafenden Manfred betrachtet. Gut, dafür brauchte ich keine Hände (außer zum Fotografieren natürlich), aber ein Sieben-Sachen-Sonntag ohne Manfred ist irgendwie nicht dasselbe. 


7. Granatapfelkerne gelöffelt. Bei der Öffnung der Frucht ging ich übrigens nach dieser Anleitung vor und so sauber habe ich noch nie einen Granatapfel gegessen. Wenn ich krank bin, esse ich saures, frisches Obst besonders gern (in Deutschland hätte ich wohl Kiwis gekauft) und dieser Granatapfel war so lecker, dass ich morgen gleich mehr davon kaufen werde. Diesmal bin ich allerdings vorbereitet: An der Obst- und Gemüsewiegestation (hier macht man das nicht selber) im Supermarkt wurde mein Granatapfel – schwups – in Frischhaltefolie gewickelt. Das ging so schnell, dass ich gar nicht reagieren oder gar "Nein, kein Plastik!" rufen konnte. Wozu braucht denn bitte schön ausgerechnet ein Granatapfel noch eine Plastehülle? Schlimm.

So, dass war mein Schnupfensonntag. Heute gehe ich wieder früh ins Bett und bin hoffentlich morgen früh nicht mehr so matschig. Immerhin steht mir eine Motorradfahrt zum Immigration Office bevor, mein Pass darf abgeholt werden. Und dann kann ich meinen bevorstehenden Kurztrip nach Singapur buchen. Ich freue mich jetzt schon auf den Handarbeitsladen, den ich dort entdeckt habe…! 

Habt einen schönen Sonntag, ihr Lieben, und kommt gut in die neue Woche!