Sonntag, 25. September 2016

Sieben Sachen #17

Wie beinah jeden Sonntag mache ich bei den "Sieben Sachen" mit und fotografiere sieben Dinge, für die ich heute meine Hände gebraucht habe. Heute sogar mit Bonusbilder! Egal ob fünf Minuten oder fünf Stunden lang. Was andere BloggerInnen an diesem Sonntag so gemacht haben, kann man sich bei Anita von Grinsestern angucken. Die Idee für die Sieben Sachen hatte einst Frau Liebe.

Da habe ich beim Angucken der letzten Sieben Sachen fast ein bisschen Herbst-Heimweh bekommen und siehe da: Seit drei Tagen herrscht herbstiges Wetter, so herbstig es in den Tropen eben werden kann: Dauerregen und Temperaturen unter 30 Grad. Leider ist mein Kräutertee alle, aber heiße Zitrone tut's auch. So sah mein verregneter Sonntag bisher aus:


1. Mein Bananenoatmeal mit Rosinen, Erdnussbutter und Chiasamen gepimpt. Ich habe letztens einen Artikel darüber gelesen, welche Auswirkungen der europäische Hunger nach Superfoods in deren Ursprungsländern hat. Darum gibt es zukünftig keine Chias mehr für mich – es sei denn der Heimanbau klappt. Die letzte Saat hat den Schnecken ziemlich gut geschmeckt. Ansonsten switche ich wieder zu Basilikumsamen, ist sowieso fast das gleiche.


2. Wäsche aufgehängt (und vorher gewaschen). Schlüpper geb ich nicht in die Laundry, die wasch ich lieber per Hand. Diesmal sogar mit heißem Wasser. Ein T-Shirt war diesmal auch mit im Wäschebeutel, das hab ich 2nd-Hand gekauft und es muchtete auch nach mehrmaligem Laundrybesuch noch merkwürdig. Sonnenschein wäre da hilfreich, aber leider regnet es.


3. (Mit Gastpfote) Aufziehspinne aufgezogen. Arthur hat die Spinne repariert, also meine Haare aus den Rädchen gefriemelt. Nun läuft sie wieder und die Katzen ihr mit großer Begeisterung hinterher.

4. Jackfrucht-Sämling begrüßt. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob dieser nasenartige Auswuchs Wurzel oder Keimblatt ist. Naja, einfach mal machen lassen, in der Natur kommt auch keiner und dreht die Samen um. Die Jackfrucht ist übrigens riesengroß und kann bis zu 15 kg wiegen. Darum kauft man die in Stücken, obwohl ich problemlos ein Kilo davon essen könnte. Denn Jackfrucht oder nangka, wie sie auf indonesisch heißt, ist super lecker und total süß. Auf dem Bild rechts seht ihr zerlegte Nangkas am Obststand.


5. Wüstenrosencheck gemacht. Der auf dem linken Bild ist wohl der Dauerregen nicht so gut bekommen (die Dinger heißen nicht um sonst Wüstenrosen) und hat sich spontan all ihrer Blätter entledigt. Ich stell sie einfach ins Trockene und dann treibt sie bald wieder aus. Die rechts und alle anderen auch gedeihen dafür prima. Tolle Pflänzchen!


6. Nina fotografiert. Diese Miez ist unser Wetterfrosch! Sie hat nämlich große Angst vor Regentropfengetrommel (die Küche hat ein Metalldach…) und Donner. Hastet sie plötzlich aus dem Garten ins Haus und macht sich dabei ganz platt, dann wissen wir, dass es regnen wird. Das schlechte Wetter übersteht sie dann eng eingerollt in irgendeiner Ecke. Und sind ihre Füße nicht einfach wunderschön?


7. Ein Häkelprojekt beendet und einen Kopf angenäht. Es ist ein...


… Amineko! Davon kann man nämlich nie genug haben! Leider ein bisschen schief und krumm, aber das sieht man fast nicht. Sind sie nicht einfach toll? 

Montag, 19. September 2016

Sieben Sachen #16

Jeden Sonntag (wenn ich es schaffe) mache ich Fotos von sieben Dingen, für die ich meine Hände gebraucht habe, egal ob fünf Minuten oder fünf Stunden lang. Die Idee dazu hatte einst Frau Liebe, heute sammelt Anita von Grinsestern die sonntäglichen sieben Sachen.

Fotos vom Sonntag, Blogeintrag vom Montag. Ein ganz unspektakulärer Sonntag war es diesmal, mit ein bisschen Schreiben und ein bisschen Stricken. Aber seht selbst!  



1. Helm zerlegt, gewaschen und zum Trocknen aufgehängt. Das war nötig, denn ein Ameisenstaat hatte meinen Helm kurzerhand als Haus ausgewählt und ausschütteln und -lüften brachte nicht den gewünschten Erfolg. Mobil bin ich trotzdem noch, denn bis mein Helm wieder trocken ist, darf ich den von Arthurs Mama benutzen.


2. Wespennestbau unterbunden. Noch mehr Insektencontent! Eine große braune Wespe war seit einigen Tagen damit beschäftigt, ein Haus in unserer Küche zu errichten. Als sie einmal nicht da war, habe ich heimtückisch das Nest weggefegt. Es waren sogar schon Eier drin. Ein filigranes Meisterwerk aus Papier, aber bitte draußen. Leider ist sie schon wieder da und baut Ersatz. 


3. Unbekannten Baum fotografiert. Ich pflanze grundsätzlich die Samen von jedem Obst ein, dass wir essen. Darum habe ich auch schon vier Duriane, zwei Granatäpfel, zwei Guaven, drei Sauersäcke (hihi) und auf mehrere Jackfruits warte ich noch. Nur was dass hier ist, das weiß ich leider nicht. Wenn etwas nicht keimt, belege ich den Topf irgendwann doppelt. Selber schuld also. Ich habe ein bisschen recherchiert und unseren Obstverbrauch rekonstruiert und die Identität des geheimnisvollen Gewächses auf zwei Möglichkeiten eingegrenzt: jambu air (Wasserapfel) oder Mangosteen. Oder vielleicht kommt mein Pflänzchen einem von Euch bekannt vor?



4. Yogamatte ausgerollt. Ich habe akuten Bewegungsmangel und vermisse Spaziergänge, Fahrradtouren und meine Laufschuhe. Um mich in Form (haha!) zu halten, turne ich zu Hause auf meiner Matte herum. Gerade habe ich HIIT für mich entdeckt: 20 Minuten und ich bin platt. 


5. Toast mit Srikaya bestrichen. Wer Sport macht, darf auch naschen. Srikaya ist nicht nur ein süßer Brotaufstrich aus Eiern, Kokosmilch und Zucker, sondern auch eine Frucht. So eine reift gerade vor meiner Haustür heran und ich bin schon äußerst gespannt, ob der Zucker-Apfel seinem Namen gerecht werden wird.


6. Manfred ein Snackie überreicht. Findet er sichtbar gut! Die Leckerlis sind noch aus Deutschland und mit Katzenminze gefüllt, keine Wunder, dass er so abgeht. Nina bekam natürlich auch eins.


7. Gestrickt. Die Häkelei ruht erstmal, im Kreis stricken ist angesagt. Aber ich darf leider nicht verraten, was es wird :D

Das war also mein Sonntag. Kurz nach der Strickerei kam Arthur nach Hause, wir gingen Abendbrot essen, sahen uns einen Film an und – schwups – war es spät und ich wollte nur noch ein bisschen in meinem aktuellen Buch die neuesten Geschichten der Scheibenwelt lesen. Und jetzt ist Montag und ich muss wieder fleißig sein. Nachher stöbere ich noch ein bisschen durch die anderen Sonntagssachen.

Habt alle eine schöne Woche!

Freitag, 16. September 2016

Wie mich Indonesien verändert hat.

Ende September jährt sich meine Ankunft in Indonesien zum dritten Mal. Die letzten drei Jahre habe ich zu einem Großteil nicht in Deutschland verbracht. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht! Dabei fühle ich mich noch immer neu hier, verstehe vieles nicht und mein Indonesisch könnte wirklich besser sein. Es gibt noch viel zu lernen und das hört auch nicht wieder auf. 
Doch was macht das mit einem, wenn man so viel Zeit fern der Heimat verbringt? Jeder ist da natürlich ein bisschen anders. An mit jedenfalls konnte ich einige interessante Entwicklungen beobachten. Und die will ich euch natürlich nicht vorenthalten!

Westliches Essen wird zum Luxusgut.
Indonesisches Essen ist lecker, keine Frage. Doch gerade als Vegetarierin ist die Auswahl begrenzt und irgendwann stellt sich Eintönigkeit ein. Wenn nicht einer von uns zu Hause kocht, holen wir entweder ein Bungkus (Essen zum Mitnehmen) oder essen auswärts, das ist billig und schnell und man muss nicht abwaschen. Meistens gibt es für mich Reis mit Zeug oder gebratenen Reis oder auch mal Nudeln oder Kwetiau. Westliches Essen wie Stulle oder Pizza oder einfach mal ein Joghurt zwischendurch ist etwas ganz besonderes und wird für herausragende Anlässe reserviert. Das hat auch finanzielle Gründe. Gerade Milchprodukte, aber auch andere westliche Lebensmittel sind teuer in Indonesien und haben oft nicht die Qualität, die man als verwöhnte Deutsche so gewohnt ist. Gelatine im Naturjoghurt? Käse, der wie Seife aussieht und nicht schmilzt? Brot aus superweißem Weißmehl mit süßer Füllung? Kann man alles haben. Dafür umso andächtiger der Moment, wenn ich mal richtigen Käse ergattert habe oder wir uns zum Geburtstag eine Pizza gönnen. Käsekuchen! Brot aus Vollkornmehl! Manche Leckerei habe ich schon so lange aufgehoben und aufgespart, dass sie mir am Ende verschimmelt ist, das war dann natürlich ärgerlich, dann hat man auch nichts mehr von. Also lieber gleich genießen. Apropos, ich hab da noch Schokolade im Kühlschrank…! Und zum Glück habe ich tolle Eltern, die mich mit Käsebroten und Club Mate vom Flughafen abholen!

Als ich in Deutschland war, um die Masterarbeit zu schreiben, habe ich meinen Appetit nach den in Indonesien unerreichbaren Lebensmitteln so richtig ausgelebt. 

Window-Shopping bei dm
Ich vermisse Naturkosmetik. Sehr. Die westliche Kosmetikindustrie hat Indonesien voll im Griff, während gleichzeitig das Wissen um die traditionelle Herstellung von Kosmetika verloren geht. Ist in Deutschland ja auch nicht anders. Die großen Marken kriegt man hier alle. Aber ich will die nicht. Meine Badewasser fließt ungefiltert oder -geklärt in den Fluss und mit dem werden Reisfelder bewässert. Was die Natur nicht abbauen kann, landet also irgendwann wieder auf meinem Teller. Ein Löffelchen Silikone gefällig? Und so klicke ich mich immer mal wieder durch die Onlineshops von dm und Co. und fülle imaginäre Einkaufskörbe. Zum Glück habe ich noch kleine Vorräte an Naturseifen und Cremes und meine lieben Eltern schicken regelmäßige Carepakete, so dass die Sehnsucht sich in Grenzen hält.

Deutsche Musik in meiner Playlist.
Mein Musikgeschmack ist sehr durchmischt, doch seit ich in Indonesien bin, ist eine eindeutige Tendenz zu deutschsprachigen Interpret*innen erkennbar: Je länger ich hier bin, desto öfter höre ich mir Songs von Joint Venture, Keimzeit oder Herbert Grönemeyer an. Bei Büchern ist das anders, die lese ich immer lieber in Originalsprache und ich schreibe und lese täglich auf Deutsch, aber deutsche Gesprächspartner*innen sind selten (die Katzen antworten nicht) und wahrscheinlich übernehmen Sängerinnen und Sänger gerade diese Rolle für mich.

Meine Heimatstadt nimmt auf einmal eine völlig neue Rolle ein.
Wo ich herkomme, war eigentlich nie von herausragender Bedeutung für mich. Ich bin in Magdeburg geboren und aufgewachsen, da kam ich halt her, aber es gab keine großartigen Heimatgefühle. Nach dem Abi bin ich ohne Probleme weggezogen und habe mich an anderen Orten heimisch gefühlt. Auch jetzt ist das grüne Haus in Jogja "zu Hause", aber aus einem merkwürdigen Grund sind mir meine Wurzeln auf einmal wichtig geworden. Ich lese Magdeburger Nachrichten, habe ein "Magdeburger Kind"-T-Shirt und mein Moped mit der Stadtsilhoutte beklebt. Keine Ahnung, wo das auf einmal herkam, diese Betonung auf meine Herkunft. Dabei sage ich gar nicht immer, dass ich aus Deutschland komme, wenn ich danach gefragt werde, sondern antworte auf "Asli dari mana?" (Woher kommst du ursprünglich?) lieber mit "Dari Eropa" (aus Europa).

Magdeburg auf meinem Moped.


Wertschätzung und Dankbarkeit.

Reisen verändert. Woanders wohnen auch. Schon nach kurzer Zeit in Indonesien wurde mir bewusst, wie unglaublich gut es uns Europäern geht. Wie reich wir sind. Wie selbstverständlich für uns so viele Dinge sind, die überhaupt nicht selbstverständlich sind. Trinkbares Leitungswasser, stabile Stromversorgung, existierender Nahverkehr, vergleichsweise sicherer Straßenverkehr und bessere Bildung. Wenn wir keine Arbeit haben, gibt es Unterstützung, niemand wird im Krankenhaus abgewiesen, weil er oder sie kein Geld hat und wir können offen unsere Meinung äußern. Natürlich kann man alle diese Punkte mit einem "aber" abschmettern machen. Natürlich gibt es Armut und Dreck und Hässlichkeit in Deutschland und Menschen, denen es schlecht geht, die leiden, die Diskriminierung ertragen müssen, die durch die Maschen gefallen sind. Das will ich nicht bestreiten. Und es geht auch keinem hungernden Kind irgendwo auf der Welt besser, wenn wir unser Abendbrot aufessen, anstatt die Reste wegzuschmeissen. Doch wenn wir einfach mal kurz innehalten und uns vor Augen führen, was wir alles haben, bleibt uns das "aber" im Hals stecken. Hier in Indonesien gilt meine helle Hautfarbe als Indikator für Reichtum. Klar bezahle manchmal mehr für mein Gemüse oder die Motorradreparatur, aber das bringt mich nicht um. Ich verdiene mein Geld in Euro, dass ich gewinnbringend in Rupiah umtausche, damit geht es mir gut und besser, als den meisten. Wir haben nicht viel, aber wir haben genug. Ein kleines Haus, fließend Wasser, nie Hunger, Internet, Krankenversicherung. Wir können sogar noch zwei Katzen mit durchfüttern. Dafür bin ich dankbar. Auch dafür, hier sein zu dürfen, einen deutschen Reisepass zu haben und damit problemlos beinah überall hin zu dürfen. Abgefahren, wie privilegiert ich bin, nur weil ich innerhalb bestimmter Grenzen geboren bin. Unfassbar eigentlich.


Und wie geht es weiter?


Ach, wie oft werde ich das gefragt: "Bleibst du jetzt für immer in Indonesien?". Nein. Und überhaupt, woher soll ich das denn wissen? Für den nächsten Frühling ist ein längerer Deutschlandbesuch geplant und langfristig werden wir wohl unseren Lebensmittelpunkt dorthin verlegen, aber dazu müssen noch andere Dinge geschehen, die ich hier noch nicht verraten will. Und außerdem müssen die Katzen mit! Wenn hier zufällig jemanden kennt, der jemanden kennt, der mal eine Katze aus Indonesien nach Deutschland gebracht hat: Ich bin für jeden noch so kleinen Tipp dankbar! 



Bis es soweit ist, gibt es noch vieles zu entdecken und zu erleben! 


Indonesien ist immer wieder für eine Überraschung gut!

Sonntag, 11. September 2016

Sieben Sachen #15

Es ist wieder Sonntag und endlich habe ich es mal wieder geschafft, sieben Sachen zu fotografieren, für die ich meine Hände gebraucht habe. Die Idee dazu hatte einst Frau Liebe, heute sammelt Anita von Grinsestern die sonntäglichen sieben Sachen.

Gestern war ich bei einer Party der neuen Auslandsstudenten und auch wenn ich nichts getrunken habe, begann der Tag heute doch eher gemütlich. Manfreds piepsende Bitte nach Frühstück drang erst um sieben an mein Ohr (sonst: halb sechs) und ich schlummerte noch mal ein, nur um gegen zehn von kläglichem "Ugh! Ugh!"-Husten geweckt zu werden, den wohl jeder Katzenbesitzer kennt. Noch vor dem ersten Kaffee Katzenkotze wegputzen – danke, Manfred! Erfreulichere Ereignisse konnte ich mit den folgenden Bildern dokumentieren:


1. Bananen aufgehängt. Indonesien ist das Genzentrum der Banane und die Bananenvielfalt ist einfach unschlagbar. Diese hier heißt pisang raja bandung (König der Bananen aus Bandung) und ist wirklich lecker, besonders im morgendlichen Oatmeal. Ich kann auch nur empfehlen, Bananen eher vorsichtig zu essen, denn: es könnten Kerne drin sein! Bananensamen! Wie man sieht, werden Bananen nicht in winzigen Bündeln verkauft, sondern man kriegt ein ordentliches Stück vom Fruchtstand mit 22 Bananen dran. Für 15.000 IDR, also etwa einen Euro. Yeah!


2. Halbe Stäbchen gehäkelt. Eigentlich wollte ich nur Sophie's Mandala häkeln und dann zu einer Tasche erweitern, aber dann war das Mandala selbst schon viel zu groß und schwer dafür, dass ich mich spontan entschloss, die Häkeldecke Sophie's Universe zu basteln. Und ich bin total verliebt in das Muster! Jede neue Runde bringt neue Herausforderungen mit sich. Früher hab ich ja mehr gestrickt, aber jetzt bin ich totaler Häkelfreak. Mal sehen, wie lange ich noch brauche.


3. Ein Küchlein zum Kaffee gemampft. Süßigkeiten sind hier in Jogja oft unglaublich süß, nicht so diese kleinen Karamelkuchen. Sie sind mit Kokoszucker gesüßt und auch auf die so beliebten Farbstoffe wurde verzichtet. Lecker! Warum man in Yogyakarta Zucker so liebt? Keine Ahnung. Manche Leute sagen, es läge an der Zuckerfabrik Madukismo, die ein paar Kilometer von unserem Haus liegt und von den Holländern gebaut wurde. Auch Kaffee, Tee und jeruk (verdünnter Limonen-/Orangensaft) wird mit mehreren Löffeln Zucker drin gereicht. Seit ein paar Wochen bestelle ich meine Getränke nur noch tawar (ohne irgendwas drin) und ernte damit viel Erstaunen. 


4. Den Guava-Baum geschüttelt, damit Nina hochguckt. Nina ist so niedlich, leider habe ich nur wenige gute Fotos von ihr, weil ihr schwarzbefelltes Gesicht jegliche Mimik verbirgt. Nur im Tageslicht kann die Kamera ihre hübschen Züge einfangen. Sie ist wirklich flauschig! Im Hintergrund sieht man den Caudex meiner Wüstenrose, den die invasiv in meinen Garten einfallenden Großen Achatschnecken jeden Abend neu abnagen, diese Blödis. Meine zweite Wüstenrose haben sie ganz bibermäßig gefällt, so dass ich sie als Steckling neu eingepflanzt habe. Die neun Jungpflanzen blieben bisher verschont, hoffen wir mal, dass das so bleibt. 


5. Den Wifi-Hotspot angemacht. Sonntags hab ich zwar frei, aber ich wollte mir einen Videokurs zum Thema "Wordpress" ansehen und ein bisschen an meiner Website werkeln. Das habe ich dann auch ausgiebig getan. 


6. Unterm Schrank herumgestochert. Den Katzen wurde langweilig und dann fangen sie immer an, sich zu verhauen. Ein Spielzeug musste her und unterm Schrank lagen noch jede Menge dieser braunen Nupsis. Die stammen von der Gasflasche, die unseren Herd befeuert und sind das allerbeste Katzenspielzeug ever. Die Katzen jagen sie wie wild, schleppen sie herum, verstecken sie im Bett und früher oder später landen sie wieder unterm Schrank. Das schwarze Ding ganz oben ist eine aufziehbare Plastespinne, die ich schon verloren geglaubt habe. Der Aufziehmechanismus ist leider kaputt, aber Manfred liebt sie noch immer. 


7. Sirsak verspeist. Auf deutsch heißt dieses Obst Sauersack oder Stachelannone und ich habe in den letzten Tagen eine große Frucht nach und nach ganz allein verputzt. Arthur ist sie zu sauer, aber ich finde Sirsak einfach toll. Sie ist ziemlich matschig und voller harter Kerne, die ganz einfach keimen – ich habe ein Bäumchen im Topf und zwei wachsen wild im Garten. Sirsak ist total gesund, voller Vitamine und anderem tollen Zeug. In Deutschland hab ich im Asialaden schon Sirsaksaft gesehen, vielleicht gibt's sie ja auch gefroren oder als Konserve.

So, genug für heute. Ich werde nur noch ein bisschen häkeln oder stricken. Morgen ist Idul Adha, das muslimische Opferfest und einer der höchsten Feiertage im Islam. Schon seit letzter Woche kann man an jeder Ecke einen Schaf- oder Ziegenbock erwerben, der dann morgen in der Moschee geopfert wird. Büffel und Stiere können auch geopfert werden, die kauft man aber wohl woanders. Das Fleisch wird auch an die Nachbarn verteilt, wir kriegen bestimmt auch wieder was ab. Arthur freut sich schon, ich grusele mich immer ein bisschen vor dem Tag und werde wohl nicht rausgehen, auch wenn ich in den letzten Jahren noch keine Schlachtung mit ansehen musste. Wie feiern vegetarisch oder vegan lebende Muslime wohl Idul Adha? Das sind so Sachen, die man im Religionsunterricht nicht lernt. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern. 

Habt einen schönen Sonntag!

Sonntag, 7. August 2016

Sieben Sachen #14

Zwei Wochen war ich nicht dabei, nun habe ich es wieder geschafft, sieben Sachen festzuhalten, für die ich heute meine Hände benutzt habe. Die Idee dazu hatte einst Frau Liebe, nun werden die sieben Sachen bei Anita von Grinsestern gesammelt.

Mein heutiger Sonntag war bisher sehr gartenlastig. Nach einer Woche vorm Bildschirm musste ich mich mal ein bisschen austoben und das Internet war heute sowieso frustrierend langsam, da hätte mich die Schreibarbeit nur unnötig genervt. 


1. Erdbeerpflänzchen gezählt. Das ist jetzt mein fünfter Versuch, (Wald-)Erdbeeren in den Tropen anzubauen. Warum es bisher nicht geklappt hat? Die Nachbarshühner, die Katzen und ich haben erfolgreich jeden Topf umgeworfen oder in der Sonne vergessen, einmal war's auch irgendeine Pilzkrankheit. Über das dritte Blatt sind wir jedenfalls noch nicht herausgekommen, aber diesmal muss es einfach klappen. Ich hab nämlich schlimme Erdbeervermissung und nach einem Jahr auf dem Erdbeerfeld bin ich wählerisch geworden – Supermarkterdbeeren schmecken auch in Indonesien nach nichts. 'Mieze Schindler', 'Senga Sengana' oder 'Asia' (tomatengroße Früchte!) sind davon geschmacklich ein Universum entfernt. Zum Glück hatte ich noch ein paar Samen, die sind jetzt schon über ein Jahr alt und haben immer noch eine erstaunlich gute Keimrate. 


2. Eine panaschierte Acalypha indica entdeckt. Die Blattmusterung entsteht durch eine Mutation, die durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann. Hatten wir mal ausführlich im Studium. Diese hier hat auch einen Virus, das sind die runden Flecken an den unteren Blättern. Das ist übrigens die Pflanze, deren Wurzeln unsere Katzen vollkommen ausrasten lässt, schlimmer als Katzenminze. Da wird drauf rumgekaut, sich darin gewälzt und an meinem Bein hochgeklettert, wenn ich die zermantschte Pflanze wegschmeißen will. Die hier kriegen sie aber nicht!


3. Manfred auf Beobachtungsposten aufgestöbert. Von sicheren Töpfen umgeben späht Manfred die Nachbarskatzen und -hühner aus. Neuerdings gibt es auch eine traurige schwarze Ente, die steht immer nur da und wünscht sich wahrscheinlich in die Mitte eines kühlen Sees und zu ihren Entenfreunden. Die Pflanze ganz rechts ist übrigens der einzige überlebende Granatapfel. In der Mitte wächst das, was man bei Ikea als Glücksbambus kaufen kann und im scheinbar leeren Topf oben links habe ich zum wiederholten Mal Sonnenblumen und Kapuzinerkresse gesät. Beides keimt zwar schnell, wird dann aber entweder von Schnecken gekillt (Sonnenblume) oder krepelt vor sich hin (Kapuzinerkresse). Aber solange ich noch Saatgut habe, ist auch noch Hoffnung da!


4. Balinesischen Kaffee getrunken. In einem kleinen Café am Fluss, nicht weit von unserem Haus. Haben wir erst letzte Woche entdeckt und es ist wirklich gut da, es gibt auch leckeres Essen (Nasi goreng! Frittierte Bananen!). Mit Arthur ist es immer ein bisschen schwierig, er ist ja Koch und hat fast überall etwas auszusetzen. Hier war er bisher zufrieden, das ist also ein echtes Lob. 


5. Die gestrigen Ausgaben notiert. Seit März schon führe ich eine Excel-Tabelle mit unseren Ausgaben und bin von meiner Disziplin selbst ein bisschen erstaunt. Im Juni gibt es ein paar Lücken, da war ich mal schlampig, aber ansonsten habe ich einen sehr guten Überblick über unseren Haushalt. Momentan brauchen wir ca. 4 Millionen Rupiah im Monat, das ist natürlich unschlagbar. 


6. Vielerlei Gartengeräte benutzt. Unser Vorgarten ist ein mittlerer Dschungel. Das Gras steht kniehoch, dazwischen wächst mir unbekanntes Kraut mit tiefen Wurzeln, die man kaum aus dem Boden kriegt. Da muss man ordentlich drauf kloppen und darum ist das eine prima Beschäftigung, um mal ein bisschen Dampf abzulassen. Nach einer halben Stunde war ich total kaputt, leider sieht man noch nicht viel Veränderung. Bis in zwei Wochen will ich den Garten schick haben, dann ist nämlich der indonesische Unabhängigkeitstag und die Nachbarn schmücken und putzen jetzt schon. Da wäre es schön, wenn auch unser Urwald verschwunden ist – nicht das uns noch einer (wie bereits angedroht) RoundUp draufkippt. Beim nächsten Einsatz muss ich auf jeden Fall Autan benutzen, ich wurde nämlich von einer riesigen Pferdebremse attackiert.


7. Ringelblumen pikiert. Ein alter Bleistift ist wirklich ein prima Ersatz für ein Pikierstäbchen! Die Ringelblumen wachsen wirklich gut, ich hoffe sehr, dass sie es bis zur Blüte schaffen und ich Samen ernten kann. Viele Wurzeln haben sie ja nicht, aber das wird sicher noch.

So, das war mein Sonntag bisher. Ein bisschen aufregend wurde es, als Manfred einen Gecko gefangen hat, gerade als wir beim Mittagessen saßen. Wie Eidechsen werfen auch Geckos ihren Schwanz ab, um den Gegner abzulenken – der zappelt dann noch eine Weile. Zum Glück konnte ich das arme Reptil befreien und die Katzen wegsperren, so dass er, leicht zermatscht, entkam. 

Jetzt werde ich meine Gartensachen waschen und dann mal sehen, was der Abend noch so bringt. 

Habt eine schöne Woche!